Druckschrift 
1 (1887)
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

Eilardus, dessen Bruder Robertus und dem Ricardas, Schwiegersohn des Leon,verliehen waren.

Liesen Eilardus, Vogt zu Reval, finden wir aber noch öfter verzeichnet, inden Jahren 12771278, während welcher Zeit ihm die Königin Margarethe von Dänemarkals Herrin von Esthland befiehlt, die Lübecker wegen ihrer geraubten Güter zufriedenzu stellen.

So kommt dieser Eilard noch vielfach in Verbindung mit den Lübeckern vor;er nennt sich sogarRitter Eilard von Oberg, dänischer Vogt in Reval undWirland", und wir finden auch noch unter drei seiner Urkunden das Siegel, welchesin Schildform das Helmsiegel der jetzt erst ausgestorbenen Familievon Oberg-'zeigt. ] )

Folgen wir nun nach obiger historischer Auseinandersetzung anderen Schriftstellern,so zählen Fahne und Arndt die Familie Wrangel zu den westfälischen Urfamilien, dieüber Dänemark nach Esthland, möglicher Weise aber noch früher mit dem Orden nachRiga in Livland kamen. Diese Ansicht wird auch, wie wir eben ersehen, von Brevembestätigt, ebenso von Rehbinder in seinen Matrikeln.

Einige Schriftsteller, wie Rehbinder und Hupel, wollen die Familie schon in dienordischen Kreuzzüge zurück datiren, allein es fehlt zu einer solchen Annahme jederAnhalt. Demungeachtet theilen die genannten Schriftsteller eine Familiensage mit, derzufolge das Geschlechts-Wappenschild die Mauer (Wehrangel) zu Zeiten Attilasfür die tapfere Vertheidigung einer Stadt vom Landesfürsten einem Urahn des Wrangei-schen Geschlechts verliehen worden sein soll; es kann dieses nur als eine Sage ange-sehen werden.

Folgen wir nun ferner der Meinung, die da hinaus geht, dass der Grundbesitz denRitterlichen den Beinamen gab, indem der Gutsname dem Taufnamen gewöhnlich durchden Partikelde-' odervon-' verbunden - angehängt wurde, so ist dies bei derWrangeischen Familie nicht recht anzunehmen; denn es erscheint unwahrscheinlich,dass der Dominus Eilardus oder Heinricus de Wrangele als ein altes eingewan-dertes Adelsgeschlecht seinen Namen von dem OrteUvarangalae" hergeleitet hätte;zutreffender dürfte sein, dass irgend ein Umstand stattgefunden, der zu der beregtenFamiliensage Veranlassung gegeben, und dass der NameWrangel-' von der Mauer(Wehrangel) im Wappenschild entlehnt, und der NameUvarangalae" erst dem vonEilardus inne gehabten Sitze gegeben worden ist, wenn überhaupt derselbe als Stamm-vater anzusehen wäre.

Der grösste Theil der Ritter kam aus Woldemars H. deutschen Besitzungen undden an diese grenzenden Gauen und zwar in starker Zahl, wie aus den Zeugen derdamaligen Urkunden zu ersehen ist.

Der Zuzug deutscher Ritter nach Dänemark war so bedeutend, dass sogar einegrosse Unzufriedenheit entstand und derselbe 1218 einen Aufstand verursachte. Aufdie Colonisation Esthlands hatte aber diese Bewegung die weitgehendsten Folgen. Die

!) Siehe Siegeltafel.