Tod von Lea Mendelssohn Bartlioldy. 203
Und es war wieder ein reiches und glückliches Lebendurch einen schnellen, eigentlich schmerzlosen Tod geschlossen,ohne jede vorhergegangene Krankheit. Fanny schreibt inihrem Tagebuch: „Man hätte sich für sie kehl glücklicheresEnde ausdenken können. Es war wörtlich wie sie im vorigenSommer einmal zu Albertine sagte, dass sie es wünsche: ohneBewusstsein und ohne Arzenei aus der Mitte des Lebens hin-weg, das sie liebte, in voller geistiger Lebendigkeit, die immerihr Erbtheil war."
Die Vossische Zeitung des nächsten Tages brachte — wahr-scheinlich aus der Feder Varnhagens — folgenden Nachruf:
Lea Salomon. Ein Charakterbild.
Berlin, den 12ten December 1842.
Heute verlor Berlin eine seiner achtungswürdigsten, edel-sten und in jedem Betracht vortrefflichsten Frauen. Die ver-wittwete Stadträthin Lea Mendelssohn Bartlioldy, Mutter desKönigl. Kapellmeisters Felix Mendelssohn Bartlioldy, starbVormittags in Folge eines Anfalls von Brustkrampf, der sieAbends vorher getroffen hatte. Seltene Eigenschaften desHerzens und Geistes, der reinste Edelsinn und die tiefsteLiebenswürdigkeit verbanden sich in ihr mit allen Tugendender liebevollen Gattin, der treuen Mutter. Ihre Wohlthätigkeitwirkte im Stillen mit besonnener Zweckmässigkeit so aus-gebreitet als segensreich; der Anmuth ihres Charakters ent-sprach die Festigkeit desselben, und in den Zeiten der Stürmeund Gefahr, in welchen ihr Gatte sich als glaubensvoller undtreuer Vaterlandsfreund erwiesen, bewährte auch sie die mu-thigste Seelengrüsse. Was ihre begabten Kinder und nächstenAngehörigen, was die grosse Zahl ihrer nahen und fernenFreunde in ihr verlieren, ist nicht auszusprechen. Sie war derMittelpunkt einer ausgewählten, belebten, sowohl traulichenals glänzenden Geselligkeit, aus deren Mitte sie, inmitten heiterverständigen Gesprächs, wie das ihre immer war, unvermuthetentrückt wurde. Ihr Andenken wird Allen, die sie je kannten,innigst wertli bleiben, und noch in späten Zeiten in Ehrenstehen! —