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In den gebundenen Gemeinwesen älterer Zeiten suchte mandas schwere Problem der rechten Volksmenge durch Ehehinder-nisse verschiedener Art zu lösen. Man sollte in Fällen vonKränklichkeit hierauf zurückkommen, aber sonst dürften dieMenschen der Jetztzeit es als ein angeborenes Recht, auf das sienicht verzichten wollen, betrachten, daß sie sich verheiraten dürfen.Da bleibt als der rechte Regulator des Naturprozesses der Volks-vermehrung nichts anderes übrig als das Gefühl der Ver-antwortung. Erreicht dieses Gefühl aber einmal seine volle Höhe,so wird auch das verwickelte Problem besser auf privatem Wegegelöst werden als früher durch den Kollektivwillen der Gesell-schaft. Die Kinderzahl wird dann in der Mehrzahl Familien beivier bis fünf lebenden Kindern stehen bleiben. Geht man nämlichvon 25 Jahren als dem für die Frau passenden Heiratsalter ausund bleibt bei ungefähr 40 Jahren Grenze für die Mutterschaft,so erhält die Generationsperiode eine Länge von 15 Jahren, wasgerade das richtige für eine solche Kinderzahl sein dürfte. Außerden lebend geborenen Kindern kommen nämlich tot geboreneund Fehlgeburten vor 1 ). Überall, wo keine besonderen Um-stände zu einer größeren A^orsicht mahnen, dürfte also dies dierichtige Größe der Familien in der Gegenwart sein. Eine solcheKinderzahl gibt auch zu dem wachsenden Nahrungsspielraumpassende Zunahme der Volksmenge, vorausgesetzt daß die Heirats-frequenz hinreichend groß ist. Die Erreichung dieser Ziele istjedoch die Sache der Zukunft. Das einzige, was man tun kann,ist, die Menschen aufzuklären und zu versuchen das Gefühl der Ver-antwortung-bei ihnen zu schärfen. Doch ebenso leicht, wie es istzu sagen, daß und wie dies geschehen müsse, ebenso schwer istes, dies zu bewerkstelligen. Daß hierzu das blasse Ideal einerneumodischen Ethik, der Altruismus, nicht genügt, ist offenbar,denn dieser reicht mit Mühe für die persönlichen Verhältnisseuntereinander aus. Eine moralische Macht höheren Ranges isterforderlich, um die Menschen zu vermögen, ihre Bequemlichkeitauf die stille und wenig anziehende Weise, von der hier die Redeist, der Gesellschaft und der Zukunft zu opfern. Diese Machtist die Religion und das Pflichtgefühl gegen den Ursprungaller Dinge. Aber wer und was erweckt diese wieder in unseren
1) Trotzdem ist die Generationszeit augenblicklich gewöhnlich nicht mehr als
1 2 Jahre.