ein gleiches, verminderte Nativität, aber die Wege dazu sindverschieden.
Bei den Veränderungen der Sterblichkeit im verflossenenJahrhundert brauche ich mich nicht lange aufzuhalten. Sie sindallgemein bekannt und gehen unverwandt in ein und derselbenRichtung, wenn auch bei den verschiedenen Völkern in sehrverschiedenem Tempo. Am weitesten gekommen in dieser Be-ziehung- sind die skandinavischen Völker (16,4—i7>7°°/oo 1890—99).Die nachfolgenden Zahlen beleuchten diese Bewegung seit derMitte des vorigen Jahrhunderts im großen betrachtet:
1841/50 1851/60 1861/7026,6 26,1 26,138,8 38,3 35,7
Todesfälle °/ 00
1871/75 1876/80 1881/85Westeuropa26,5 25,0 24,3
Osteuropa37,5 *34,8 33,7
1886/90 1891/95 1896/0023,6 23,0 21,232,3 33,6 30,2
Das Resultat der jetzt gezeichneten Entwickelung der Na-tivität einerseits und der Sterblichkeit andererseits ist eine enormeVolksvermehrung in dem verflossenen Jahrhunderte. Von186,9 Millionen im Jahre 1800, davon 122,5 Millionen für West-europa und 64,4 für Osteuropa, ist die Bevölkerungszahl auf400,3 Millionen im Jahre 1900, davon 339,8 für das westliche und160,5 für das östliche Europa, gewachsen. Diese Volksmehrunghat gewisse Verfasser erschreckt und sie mit Angst der Zukunftentgegensehen lassen.
Ist indessen das oben gegebene Bild der Entwickelung undTendenzen der Bevölkerungsbewegung richtig — volle Gewißheithierüber kann die Zukunft allein schaffen —, so sind jedenfallsdiese Befürchtungen stark übertrieben, um nicht zu sagengrundlos.
Denn die Entwickelung ist ebenso wie die Kräfte, die sieveranlaßt haben, bei allen Völkern Europas, dem russischen unddeutschen, wie dem französischen und schwedischen, ein und die-selbe. Nach dem Punkte, wo die letzteren jetzt stehen, tendierendie ersteren wie alle anderen, früher oder später hinzukommen.Es ist unrichtig, das romanische Frankreich, wie es jetzt geschieht,als einen monströsen Ausnahmefall hinzustellen. Die alte eng-lische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten, und noch mehrdie in Australien, befindet sich bereits weit auf demselben Wege.