Es ist deshalb jetzt noch schwer, das oben gegebene Schemamit statistischen Daten auszufüllen. Einige wenige Andeutungensind alles, was hier Platz finden kann.
Den ersten Beginn, die große Heiratsflut und die darausfolgende gesteigerte Nativität bei der Entfernung der Ehe-schließungshindernisse und der Entwicklung des Industrialismussehen wir in Rußland und Serbien (von 1863), ebenso in ge-ringerem Grade in Österreich und Deutschland, wo die letztenHindernisse dieser Art (in Österreich und Bayern) 1868 fort-fielen und die Großindustrie nach 1871 einen enormen Auf-schwung nahm. So finden wir in Rußland eine Eheschließungs-zahl von 10,06, in Serbien von n,7o% 0 (1861—70) und imersteren Lande eine Geburtenzahl von 50,2 (1871—75) 1 )- InÖsterreich-Ungarn wird der Gipfelpunkt mit 9,83 °/ 0ft Ehen(1871—75) und 41,0°/o 0 Geburten (1876—80), in Deutschland mit9,43 %o Ehen und 39,2 %o Geburten in denselben Jahren erreicht-).Ungefähr ebenso muß es ein halbes oder ganzes Jahrhundertfrüher in Frankreich, England und anderen westeuropäischenStaaten gewesen sein. Die starke Volksmehrung in dieser Zeitsowie, was Schweden und Frankreich betrifft, die genauen Daten,die wir hierüber besitzen, beweisen dies. Aber binnen kurzemfängt der nächste Abschnitt in der Entwickelung •—• die be-ginnende Abnahme der Ehen und Geburten — an. WasOsteuropa betrifft, wird diese durch folgende Zahlen für Rußlandund Polen beleuchtet:
1861/70 1871/75 1876/80 1881/85 1886/90 1891/95 189600Ehen % 0 10,06 9,73 8,77 8,98 8,70 8.86
■Geburten °/ 00 49,3 50,2 48,1 48,7 48,4 47,5 47,5
Bei den Völkern Westeuropas ist dasselbe wahrzunehmen, ob-schon mit verschiedenem Zeitverlauf für die verschiedenen Völker.In England (ohne Schottland und Irland), wo die ungeheure Ver-mögenszunahme den Nahrungsspielraum wie in keinem anderenLand erweitert hat, haben sich die Eheschließungen und die Nati-vität am längsten auf hohen Ziffern gehalten. Aber auch hier be-
1) Diese und die folgenden Zahlen sind meistens den vortrefflichen, von GustavSundbärg herausgegebenen Statistiska Öfversigtstabeller in Statist. Tidskr.PI. 3, 1902, entnommen.
2) In einzelnen Staaten wurden nach Lösung der Bande, die die Eheschließungenhinderten, noch höhere Ziffern erreicht. So waren die Eheschließungszahlen in Bayern1869 12,4 ° 00 wie früher in Preußen (1816—1820) 10,6 ° ü0 .