würde in einem solchen Falle in gewöhnlichen Jahren, das heißtmeistens, an Volksmangel leiden, und damit würde ihm dieMöglichkeit einer weiteren Entwickelung genommen werden.Dadurch würde nämlich eine Einschränkung der Produktion er-folgen, die die Menschen noch mehreren Mißjahren aussetzte unduns auf diese Weise in einem niemals schließenden Kreisgangezu primitiven gesellschaftlichen Zuständen zurückführen würde.Die momentane Übervölkerung wird nicht durch das Übermaßder Bevölkerungsvermehrung, den einen der hierbei wirkendenFaktoren, sondern durch die periodische Beschränkung desSpielraumes der Ernährung hervorgerufen. Deshalb kanndiese Art von Übervölkerung nicht durch Begrenzung der An-zahl der Bevölkerung beseitigt werden, sondern durch Aufhebenjener periodischen Zeiten der Ebbe in der Verschaffung desUnterhaltes und im Arbeitsverdienst. Das eine ist schon in denwesteuropäischen Staaten durch die Entwickelung des Landbausund die Vervollkommnung der Verkehrsmittel geschehen, währendin Rußland der gemeinsame Besitz des Bodens sowie anderesoziale Mißverhältnisse dieses Übel unbehindert bestehen lassen.Das andere, oder die periodische Geschäftslähmung und derenFolgen, ist noch erst durch die richtige Organisation der Pro-duktion, Versicherung gegen Arbeitslosigkeit u. a. dergl. zu be-meistern.
Das Gegenteil der absoluten Übervölkerung ist Volks-mangel , und zwar wenn die Volksmenge kleiner ist, als siebehufs Aufrechterhaltung einer gewissen Kultur sein könnte undmüßte. Nach der in Frage stehenden Theorie kann solches nurin neuen Ländern, wie in den Vereinigten Staaten, und auch danur auf eine kurze Zeit zutreffen. In Wirklichkeit ist einVolksmangel oft in Ländern mit alter Kultur vorgekommen undhat dadurch stets ein Sinken der Kultur verursacht. Das großefür alle Zeiten giltige Beispiel eines solchen Zustandes bietet dasalte Griechenland und dann Rom dar. Die Schilderungen, diewir über den Zustand in Hellas und Rom während der späterenZeit der Antike besitzen, zeugen von Städten, die in Ruinenfallen, von Feldern, die brach daliegen, und dies alles ausschließ-lich aus Mangel an Lländen, die jene erhalten, diese bebauenkönnten. Denn diese glänzende Kultur ging in erster Linieaus Mangel an Menschen unter. Dieses einzige historische Fak-tum benimmt der Lehre von Malthus ihre unmittelbare und