Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Die Standeszirkulation.
Wesen und treibende Kräfte der Standeszirkulation. Wie
viel noch daran fehlt, daß die allgemeine Bevölkerungslehreeine in Maß und Zahl vollständige Darstellung des Menschenund seines Lebens werde, geht beim ersten Schritte über dieallbekannten Flursteine hervor. Sie beschreibt die Völkernach dem kärglichen Schema der allgemeinen Volkszählungen,erstattet nach den Zivilstandsregistern über die jährlichen Ver-änderungen Bericht und zieht auch aus den letzteren das Facitmit Bezug auf die Zu- und Abnahme des Volkes. Aber dies istvorläufig alles. Und gleichwohl gibt es viele Lebensäußerungender Völker auch auf rein demographischem Gebiete, die hierbeiteils unvollständig erörtert bleiben, teils gar nicht berührt werden.Zu den ersteren gehört die Frage der Reproduktion und desinneren Umsatzes der Bevölkerung. Diese Fragen -sind zwar ineiner Beziehung, nämlich betreffs der Volksmehrung und derrechten Volksmenge, frühzeitig ein Gegenstand der Aufmerksam-keit besonders der Staatsmänner gewesen, aber eine erschöpfendewissenschaftliche Behandlung derselben ist noch nicht vorge-nommen. Denn Malthus bekannte Lehre von der Volksver-mehrung ist nur der erste grundlegende Entwurf zu einer solchen.Die weitere Entwickelung der Lehre von der Reproduktion desVolkes schließt nicht allein die Frage des Zuwachses der Volks-menge, der Übervölkerung und Volksmangel, sowie der rechtenVolksmenge, sondern auch die des gegenseitigen Größen Verhält-nisses der verschiedenen Klassen und Berufe und ihrer Rekrutierungaus einander ein. Noch ist dies alles nur wenig bekannt. Denbemerkenswertesten Versuch, besonders diesen inneren Umsatz-prozeß und seine Resultate in großen Zügen zu zeichnen, ent-
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