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Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
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scheint. Wird also die Entwickelung in Zukunft auf dieselbeWeise fortschreiten wie bisher? Und wird das ganze Volkebenso, wie es sich jetzt auf dem Punkte befindet, wo die höherenKlassen früher standen, einstmals dorthin gelangen, wo die letzterenjetzt stehen? Nur die Zukunft kann sagen, in welcher Weisediese folgenschweren Fragen beantwortet werden sollen. Alleindaraus, daß die Entwickelung bisher in dieser Richtung gegangenist, folgt nicht, daß sie beständig denselben Weg geht oder ebensoweit kommt, wie bei den Vortruppen des Volkes, der höherenKlasse. Ihr Marsch wird nämlich, außer durch die allgemeineTendenz der Kultur, in diesem Falle noch durch den Druck vonunten, die aufwärtsgehende Bewegung des sozialen Umsatzes,beschleunigt. Dieser Druck fehlt offenbar den übrigen Teilen derBevölkerung. Deshalb kann man mit Recht erwarten, daß diehier beobachtete Entwickelung bei den letzteren niemals dieStärke erreichen wird, die sie bei den höheren Klassen gehabthat. Vollkommene Sicherheit dafür, daß dem nicht so sein wird,hat man allerdings nicht. Denn obschon die unteren Lager nichtdem Druck der aufwärtsgehenden Bewegung ausgesetzt sind,haben sie andererseits das Beispiel von oben vor Augen; unddies wirkt nicht weniger stark. Das ist die eigentliche Gefahr.

Was wir hier betreffs der Bevölkerungsverhältnisse be-obachtet haben, ist indessen keine isolierte Erscheinung. Diehöheren Klassen stehen, wo nicht besondere Umstände das Gegen-teil bewirkten, stets an der Spitze der Entwickelung. Dies findenwir auf fast sämtlichen Gebieten des menschlichen Lebens. Un-zählig sind somit die durch Sitten und Gebräuche, moralische undreligiöse Anschauungen, soziale und politische Vorurteile undIdeen gelieferten Beweise für die Wahrheit dieses Satzes. DieMasse des Volkes ist in allen diesen Beziehungen in der Regelein bis zwei Menschenalter, zuweilen noch mehr, den höherenKlassen nach. Zwar kommen Fälle vor, wo wenigstens teilweiseein umgekehrtes Verhältnis stattfindet, wie z. B. die neuzeitlicheTemperenzbewegung, aber diese, die einem besonderen in denunteren Lagern des Volkes stark gefühlten Bedürfnisse ihrenUrsprung verdanken, sind seltene Ausnahmen. Die Regel ist,daß die höheren Klassen im Guten wie im Bösen dem übrigenVolke ein Stück voran sind. Aber hierdurch wirken sie auchals Vorbilder für das letztere. Mag der Klassenunterschied imübrigen groß oder klein sein so gut wie überall und immer

Fahlbeck, Der schwedische Adel. 19