selbstbewußter und überlegter der Mensch wird, um so mehrentzieht er sich den unmittelbaren Instinkten und Trieben derNatur; und um so unwilliger unterwirft er sich ihren oft brutalenVorgängen. Es ist deshalb die Frage, ob die Verfeinerung undSelbstbespiegelung in der Kultur die Menschen nicht zuletzt fürden Naturprozeß der Fortpflanzung unfähig machen. Denn dieseDinge werden am besten von einem nicht zu viel denkendenGeschlechte ausgeführt. Daß auch andere Umstände, wie Furchtvor Teilung des Vermögens u. dergl. in anderen Klassen dieselbenFolgen haben können, lehrt das Beispiel Frankreichs. Aber auchdieses ist eine Frucht des Kulturbaumes des Guten und Bösen.
Ich brauche nicht zu erklären, welche Aussichten sich hier-durch betreffs der Kulturvölker für die Zukunft eröffnen. Esgenügt zu betonen, daß es ganz andere sind als diejenigen, diedie Anbeter der Menschheit und ihrer Entwickelung mit ent-zückten Blicken betrachten.
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Liegt bei den höheren Klassen Degeneration vor? Nachdemwir nun konstatiert haben, daß der Adel und die höhere Klasse indemographischer Beziehung eine Sonderstellung einnehmen, erhebtsich von selbst die Frage, wie man dies Verhältnis auffassen undbeurteilen soll. Am nächsten liegt es ja, es als Äußerung einerDegeneration zu betrachten, der die höhere Klasse gemeinhin aus-gesetzt ist. Ungeachtet der meistens auf Rechnung der Wissen-schaft und Aufklärung zu setzenden geringeren Sterblichkeit deutetalles auf eine abnehmende Lebenskraft. Aber die Herabsetzungder Lebenskraft wird ja als ein Zeichen von Degeneration be-trachtet — also liegt hier ein Fall von solcher vor.
Wie naheliegend diese Schlußfolgerung zu sein scheint, somuß man sich gleichwohl hüten, sie ohne weiteres anzuerkennen.Sie ist zwar unzweifelhaft richtig, wenn man diesen Teil desVolkes für sich betrachtet; bleibt man aber nicht hierbei stehen,sondern sieht ihn im Zusammenhange mit dem Volke in dessenGesamtheit, so ändert sich bald das Urteil. Denn der Adel unddie höhere Klasse stehen in dieser Sache nicht allein da. Dankder verhältnismäßig langen Erfahrungen der schwedischen Statistikkönnen wir sehen, daß die Eigenheiten, die jetzt den Adel aus-zeichnen, schon seit langer Zeit im ganzen Volke in Entwickelungbegriffen sind. Sowohl LIeiraten wie Geburten sind, wie nach-