sondern anch einen sozialen Eindruck. Der schwedische Adelist offenbar nicht mehr reich. Dies konnte, man nach denSchicksalsschlägen, die ihn durch die große Reduktion betroffenhaben, und aus dem, was uns sonst aus der inneren GeschichteSchwedens im 18. Jahrhundert bekannt ist, im voraus wissen.Aber ein deutliches Zeugnis hiervon legt die Berufsstatistik ab.Der Adel lebt in einem ganz überwiegenden Grade vom Dienen;nur 20 % ungefähr werden ausdrücklich als Besitzer von Güternangegeben, wozu natürlich Besitzer von anderem Eigentume,Häusern in den Städten, Wertpapieren und Kapital, kommen.Der Totaleindruck bleibt aber doch der genannte. Der beim Adelbefindliche Reichtum liegt wesentlich in Grund und Boden undgründet sich auf Fideikommissen. Allein ihre Anzahl ist nichtgroß und sie verleihen oft mehr einen scheinbaren als einen wirk-lichen Reichtum'). Der Adel zeichnet sich also keineswegs vorden gebildeten Klassen im allgemeinen durch großes Vermögenaus, sondern besitzt eher weniger als mehr, wenn man näm-lich, wie es sich gebührt, in dieser Klasse nur die den älterenGeschlechtern angehörenden Personen in Betracht zieht. Neu-linge, die sich aus einem niedrigen Stande emporgearbeitet haben,sind, wenn sie die Beamtenkarriere eingeschlagen haben, ge-wöhnlich in dürftigen Umständen und bleiben es während ihresganzen Lebens.
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Die in niedere Stände Zurückgetretenen. Der soziale Um-satz geht, wie wir unten sehen werden, zwei Wege, einen, der vonunten nach oben führt, und einen anderen, der wieder nach untenführt. Der erstere ist der Pfad der hoffnungsvollen Entwickelung,der letztere der des Verfalls. Der erstere liegt im hellen Sonnen-schein, der letztere verschwindet im Dunkel. Deshalb ist es ge-wöhnlich der genealogischen Forschung schwer, denen zu folgen,die die letztere Straße wandern; vor allem entschwinden dieNachkommen dieser Nachtwanderer leicht ihren Blicken. DieserTeil der Statistik über den Adel ist folglich auch weniger zu-verlässig. Sie besitzt wahrscheinlich sowohl inbezug auf diese Zu-rückgesunkenen selbst, wie vor allem auf ihre Nachkommenschaft,
1) Im Jahre 1895 gab es in Schweden 137 adlige FideiUommisse, daneben31 von Nichtadligen besessenen. Gesamtwert der ersteren betrug gegen 101 MillionenKronen (i 13 Millionen Mark) oder 2,6 °/ 0 des in Händen einzelner befindlichen festenEigentums.
Fahlbeck, Der schwedische Adel. 18