werden; es genügt, daß die Zahlen für sie nach derselben Richtungdeuten wie die früheren — das kann kaum ein Zufall sein.
Es scheint mir, als könne man die Verschiedenheit inder Lebenskraft zwischen diesen alten Geschlechtern und denspäter kreierten füglich auf die verschiedenen sozialen undökonomischen Verhältnisse, unter denen sie entstanden und auf-gewachsen sind, zurückführen. Die Geschlechter aus der Zeitvor 1591 waren wohl ausnahmslos ein Landadel, während derAdel der folgenden Zeiten überwiegend ein Dienstadel ist. Mandürfte aber nicht fehlgehen, wenn man einer verschiedenensozialen und ökonomischen Stellung eine verschiedene Macht, dieGeschlechter zu bewahren und zu vernichten, zuschreibt. Nichtskonserviert sie besser als der Besitz von Landeigentum, das vomVater auf den Sohn geht und die Menschen mehr oder wenigerauf ein Leben auf dem Lande hinweist. Denn Grundbesitz istweniger beweglich als anderes Vermögen; und das Landlebenzwingt aus praktischen Gründen, und um die Einsamkeit auszu-füllen, zur Ehe. Besonders das letztere — viel mehr als gesünderehygienische Verhältnisse und dergl. — enthält das Geheimnis deskonservierenden Einflusses des Landes auf die Geschlechter vorjeder anderen Lebensstellung und Beschäftigung. Die übrigenStellungen und das Leben in den Städten benehmen dagegendem Cölibate seine Unannehmlichkeiten, oder machen es soearerstrebenswert. Dies ist der hauptsächlichste Grund der grösserenLebenskraft, den die Geschlechter des Landadels und der Bauern zuallen Zeiten vor denen der Stadtaristokratien und der Bürger besessenhaben. Dies ist auch der Grund, weshalb sich die schwedischenadligen Geschlechter von der Zeit vor 1591 als zäher erwiesenhaben, als die später hinzugekommenen. Denn die alten Adels-geschlechter, die mit dem Lande verwachsen waren und alte Erb-güter besaßen, haben sich wahrscheinlich etwas von ihrem ur-sprünglichen Charakter als Landadel bewahrt, während die grosseMasse des späteren Adels schon durch ihre Stammväter demBeamtenstande angehörte und dann mit wenigen Ausnahmendabei blieb, und damit mehr dem Wechsel des Glückes und derAussicht, im Junggesellenstande zu bleiben, ausgesetzt war.
Diese Deutung der größeren Lebenskraft der ältesten Ge-schlechter erhält in dem Vergleich der Geschlechter des niederenAdels und der beiden höheren Stände eine Stütze. Der Verlustunter den letzteren war, wie die relativen Zahlen der Gesamt-
Fahlbecb, Der schwedische Adel. 6