Sechstes Kapitel.
Lebensdauer der Geschlechter nach dem Alter und nach
Generationen.
Natürliche und faktische Lebensdauer. Ein jeder vomWeibe Geborene muß sterben, das wissen wir im voraus; nurdie Zeit, wann dies eintrifft, ist uns verborgen, denn die Lebens-dauer ist nicht für alle Menschen gleich. Gleichwohl ist klar, daßdie Natur für uns alle nach einem gewissen Maß von Lebens-zeit hinstrebt. Das Wachsen, Blühen und schließliche Verfallenunseres Körpers sind die Stadien eines Entwickelungsprozessesmit einem ebenso natürlichen Ende, wie der Anfang es gewesenist. Und die Zeitstrecke für diesen Prozeß macht die natürlicheLebensdauer. Aber nur wenige von uns erreichen dieses natür-liche Maß des Lebens; die Mehrzahl stirbt in jüngeren Jahreneinen durch Krankheiten, Unglücksfälle. Selbstmord und anderesverursachten Tod. Hieraus folgt, daß die faktische Lebensdauergewöhnlich eine ganz andere und viel kürzere als die natürlicheist. Gleichwohl entbehrt auch sie nicht ihres bestimmten Maßes.Jedes Alter hat seine typische Sterblichkeit. Dank dieser kannman eine Absterbeordnung nach dem Alter aufstellen, welcheJahr auf Jahr regelmäßig wiederkehrt und auf welche die Voraus-sagungen und Berechnungen des Versicherungswesens sich stützen.
Gelten nun dieselben Verhältnisse auch für die Geschlechter?Besitzen sie neben der faktischen Lebensdauer eine natürliche?Nach den im vorigen Kapitel angestellten prinzipiellen Unter-suchungen über diese Dinge können wir die letztere Frage ruhigverneinend beantworten. Denn keine Notwendigkeit liegt, wiebei den Individuen, vor, daß das Geschlecht sterben muß. Faktischsterben wohl die meisten, wenn nicht alle Geschlechter, die wirbisher kennen gelernt haben, d. h. die historischen Geschlechter,aus, aber nicht, soweit wir sehen können, infolge eines inneren