schlechter, wenn auch nur unter den da Lebenden, hätten kon-statiert und dann bis auf die gegenwärtige Zeit statistisch hättenverfolgt werden können — welche merklichen und bedeutungs-vollen Beobachtungen hätten wir nicht da schon sammeln können!Wir hätten gesehen, wie ein Teil Geschlechter ausgestorben ist,nnd wie andere sich bedeutend erweitert und teils die Lückennach den ersteren ausgefüllt, teils die Bevölkerungszahl von1,785,000 (1751) auf 4,919,000 (1895) x ) erhöht haben. Wir hättenferner die sozialen und physischen Ursachen, die in dem einenFalle das Erlöschen, in dem anderen den Zuwachs veranlaßthaben, mehr oder weniger vollständig beobachten können. DerUmfang und die Gesetze des sozialen Umsatzes wären uns dannnicht länger unbekannt. Sicher hätten wir auch dann viele andere,auf physischer oder psychischer Erblichkeit, d. h. Vererbungdurch Erziehung, beruhende Eigentümlichkeiten, sowohl was kon-stitutionelle Krankheiten, Anlagen und Talente, wie was Ver-brechen u. a. m. betrifft, entdecken und verfolgen können — allesdies Verhältnisse, nach denen die moderne Demographie forscht,■die sie aber mangels genealogischen Materials und statischerBuchung desselben noch nicht hat ermitteln können.
Gleichwohl darf man beim Studium des Erblichkeitsproblemes■die Untersuchung nicht auf die Geschlechter, selbst wenn manneben der männlichen Seite auch die weibliche Seite in Betrachtziehen wollte, beschränken. Denn wie man auch den Begriff Ge-schlecht erweitert, enthält dasselbe doch nur die absteigende Bluts-verbindung; außer dieser gibt es aber auch eine aufsteigende, unddiese ist von noch grösserer Bedeutung für die Erblichkeit, alsdie erstere. Diese letztere Blutsverbindung bildet, was wir Ahnen' 1 )im genealogischen Sinne nennen; und das ist etwas ganz anderesals das Geschlecht. Die Ahnen und das Geschlecht sind eherdirekte Gegensätze. In einem schematischen Bild dargestellt, istdas Geschlecht mit einer aufrecht stehenden Pyramide, die Ahnen-reihe mit einer umgekehrten zu vergleichen. Bei dem ersterengleitet der Blick von oben nach unten, vom Stammvater auf die.ganze Schaar Sprößlinge, wie sie sich in verschiedene Linien ver-zweigen, ältere und jüngere; bei den letzteren blickt das Augevon unten nach oben, vom Sprößling zu den als Väter und
1) Das störende Moment der Einwanderung ist hier außer Rechnung gelassen.
2) Der Sprachgebrauch gibt dem Ausdrucke Ahnen oft die weit allgemeinereBedeutung von Vorfahren oder vergangenen Gliedern.