Erstes Kapitel.
Stände und Klassen, sowie die statistische Beschreibung
derselben.
Ältere und neuere Ansichten über das Standeswesen. Das
Standeswesen hat frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschenerweckt und ihre Phantasie in Tätig'keit gesetzt. Davon zeugendie Sagen über seinen Ursprung-, die uns überall aus der Kindheitder Völker her entgegenklingen. Man sah in demselben eine vonder Gottheit selbst geheiligte Institution. So erzählt die indischeMythe: Im Beginne der Zeit gingen aus dem Munde BrahmasBrahman, aus seinem Arm Xatrya, aus der Hüfte Vaisya undzuletzt aus dem Fuße Sudra hervor. Die nordische Sage läßtdie Stände wiederum so entstehen, daß der Gott Rig oder Heim-dal mit „Edda" den Sohn Träl (Knecht), mit der „Amme" Karlund mit der „Mutter" Jarl erzeugte. Auch die alten Guanchen,die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, wußten über diese Dingeeine Sage zu erzählen. Der große Geist, hieß es, erschuf dieMenschen und die Ziegen und schenkte die letzteren dem Adel.Der gemeine Mann forderte da seinen Anteil an den Ziegen,aber der Geist antwortete: die Ziegen sind nur für den Adel, dergemeine Mann soll ihnen dienen. Auf diese Weise haben Völkerverschiedener Rassen und unter allen Himmelsstrichen dem Standeeinen göttlichen Ursprung angedichtet.
Später, als die Religion, wie unter den christlichen Völkern,solche Sagen verdammte, entstand die Vorstellung, daß besondersder erste der Stände, der Adel, sowie der geringste, Bauern undArbeiter, Wirkungen der Eroberung seien. Das Recht des Kriegesund der Rassenunterschied wurden nun als ihre Ursache von
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