Wer sich selbst genau erkennt, hält sich selbst für ge-ring, und hat keine Freude an menschlichen Lobsprüchen.
Wenn ich von Allem, was in der Welt ist, Kenntnißhätte, und wäre in der Liebe nicht, was würde es mir vorGott helfen, der mich nach meinem Thun richten wird?
2. Laß ab von allzugroßer Wißbegier; denn darinfindet sich viel Zerstreuung und Täuschung.
Die viel wissen, wollen gerne dafür angeschen undweise genannt werden. (Prcd. 1, 17. 18.)
Es giebt Vieles, was zu wisse», der Seele wenigoder gar nichts nützt.
Und sehr thöricht ist, wer nach etwas Andern: trach-tet, als was zum Heile dient.
Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein from-mes Leben erquicket den Geist, und ein reines Gewissengewähret große Zuversicht bei Gott.
3. Ze mehr und besser du es weißt, um so stren-ger wirst du darüber gerichtet werden, wenn du nichtum so heiliger gelebt hast.
Erhebe dich daher nicht wegen einer Kunst oderWissenschaft; sondern fürchte dich vielmehr wegen derdir zu Theil gewordenen Erkenntniß.
Wenn es dir scheint, daß du Vieles weißt undgründlich verstehst, so wisse doch, daß es noch weitmehr giebt, was du nicht weißt.
Sei nicht einbilderisch aus dein Wissen, sondern be-kenne lieber deine Unwissenheit. Warum willst dudich einem vorziehen, da man viele findet, die gelehr-ter und im Gesetze erfahrener sind, als du?
Wenn du etwas Nützliches wissen und lernen willst, soliebe unbekannt zu sein und für nichts geachtet zu werden.