3
Eitelkeit ist es also, vergängliche Reichthümersuchen, und auf sie seine Hoffnung setzen.
Eitelkeit ist es auch, nach Ehrenstellen trachten,und zu einein hohen Range sich erheben (wollen),
Eitelkeit ist es, vcS Fleisches Lüsten nachjagen, unddas verlangen, wcßwegen man nachher schwere Strafeleiden muß,
Eitelkeit ist es, ein langes Leben wünschen, undum ein frommes Leben sich wenig kümmern,
Eitelkeit ist es, aus das gegenwärtige Leben alleinseine ganze Aufmerksamkeit richten, und nicht auf dieZukunft hinausblickcn,
Eitelkeit ist es, das zu lieben, was mit allerSchnelligkeit vorübergeht, und nicht dorthin eilen, wodie Freude ewig währet,
5. Gedenke oft des Spruches: „Nicht satt wird dasAug vom Sehen, noch voll das Ohr vom Hören,"(Pred, 1,8,)
Bestrebe dich also, dein Herz von der Liebe zumSichtbaren loszureißen, und zum Unsichtbaren dich zuerschwingen. Denn die ihrer Sinnlichkeit folgen, be-flecken ihr Gewissen, und verlieren die Gnade Gottes.
II. Kapitel.
Von der demüthigen Meinung von sich selbst.
I, Jeder Mensch wünscht von Natur aus viel zuwissen; aber was nützt das Wissen ohne Furcht Gottes?'
Besser fürwahr ist ein demüthiger Landmann, derGott dient, als ein stolzer Weltweiser, der sich selbstversäumt, und den Lauf der Gestirne beobachtet.