Druckschrift 
2 (1868)
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

177 —

schlössen, liegen gelassen und schliesslich 14 Tage lang auf dem Thurmgefangen gelullten, und zwar „so beschwerlich, dass Mathes Friedrich, dermit der schweren Krankheit behaftet, wenn ihm der Andere nicht zu Hülfegekommen wäre, im Thurm den Hals gebrochen hätte." Als sie desThurmes entledigt, wurden sie doch noch 10 Tage im Schlosse gefangengehalten und endlich mit dem Befehl, zu sagen, sie hätten auf den „Pansen"gearbeitet, laufen gelassen. Dies geschah aber erst, als der Wertbern'scheProbst zu Donndorf den Witzleben'schen Hirtenknecht freigegeben hatte.Heinrich beschenkte jeden Jungen mit einem Schmerzensgeld von 1 Groschenpro Tag und einen von ihnen mit einem Hemde und einem Paar Schuhe.Dies hinderte jedoch nicht, dass Klage beim Ober - Hofgericht zu Leipziggegen ihn geführt wurde. Ein Urtheil befindet sich nicht bei den Acten *),sondern nur nach vielfachen Sätzen und Gegensätzen am Schluss die Be-merkung: „Heute Donnerstags den 10. Juli 1061 hat Heinrich von Witz-leben zum Stein 120 alte Schock, so den Klägern Mathes Friedrich undHans Schröter für den Angriff und gefänglich Enthalten, und dazu auch23 Fl. 15 Gr. 9 Pf. gemässigte Expens ins Hofgericht durch seinenSchosser einlegen lassen, damit die angesagte Hülfe hierdurch abgeschafftwerden möchte, dabei aber protestiren und suchen lassen, dass den Klägernnur der halbe Theil verabfolgt werden möge."

Heinrich von Witzleben pflegte nach Sitte des begüterten Adels Thü-ringens und Sachsens häufig nach Leipzig zu reiten. Nicht allein wardie damals durch Handel schon blühende Stadt der Sitz höherer Behördenund Gerichte und bot dem Landadel manche auf seinen Burgen entbehrteGenüsse, -sondern sie war auch der Ort, wo der Adel seine Geldgeschäfteabzumachen pflegte. Ausser Leipzig boten die Landtage zu Freiburg denThüringenschen Rittern Gelegenheit, sich zu sehen und ihre Angelegen-heiten zu besprechen. Nach abgethanen Geschäften wurde dann ein Spiel-chen gemacht, und auch Heinrich verschmähte es nicht, hier dem Glückedie Hand zu bieten. Ob Fortuna aber ihm im Allgemeinen hold war, istuns unbekannt, wir wissen nur, dass er kurz vor seinem Auszuge zu demSchmalkaldenschen Kriege seine Baarschaft und ausserdem beim späterenKreidespiel (Spiel auf Borg) an Georg von Nissmitz 100 Fl. verlor, welchenach gepflogenem Uebereinkommen pünktlich gezahlt werden sollten. Spätertrafen jedoch beide Spieler die Abrede, dass Georg von Nissmitz statt der

*) St. Arcli. z. Dresden, Obev-Hofgevichts Acten, No. 9492. Loc. 21333.