Druckschrift 
2 (1868)
Entstehung
Seite
170
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Heinrich war 22 Jahre alt, als sein Vater starb, und gelangte dem-nach schon früh zur Selbstständigkeit. Von ritterlichem Sinn durchglüht,leicht erregbar, tapfer und fromm, besass er einen kräftigen Körper, grosseWeltkenntniss und erhielt sich bei all' seinen mannigfachen körperlichenund geistigen Vorzügen ein liebenswürdiges und anspruchsloses Wesen.Hierdurch wusste er auch seine jüngeren Geschwister an sich zu fesseln,welche so grosses Vertrauen zu ihm hatten, dass sie ihm ohne Hinzu-ziehung fremden Beistandes die Schlichtung aller Irrungen bei Erbschaftenüberliessen.

Heinrich hatte fünf Geschwister: Friedrich, Catliarina, Margarethe,Barbara und Anna.

Friedrich, 1511 oder 1512 geboren und 1543 unvermählt gestor-ben, wurde gleichzeitig mit Heinrich 1532, nach dem Tode des Vaters,mit dessen Gütern belehnt, und zwar am 25. Juli vom Abt Peter zuPforte mit dem Hofe (Isfort und am 2. August vom Herzoge Georg zuSachsen mit Wendelstein, Eossleben und den bekannten Pertinenzstücken,wie Alles „der hochgelartte Rath her Ditterich vonn witzleuben, Rittervnd doctor, Ir vater seliger, herbracht vnd auf sie geerbet."

Catliarina, die älteste der Schwestern, 1514 geboren, vermähltesich, noch nicht 18 Jahre alt, mit Eckart Gans zu Bennstedt. Von ihrenBrüdern ward ihr eine Ausstattung, wie sie sich für eine adeliche Jung-frau geziemte, und an dem Tage nach dem ehelichen Beilager eine Mit-gift von GOO Fl. ausgesetzt.

Was die Ausstattung an Garderobe betraf, so mag sie nicht zu reichgewesen sein, denn Catliarina klagte in ihren alten Tagen, dass sie nuralte Kleider ihrer Mutter bekommen habe, womit wohl auch heut zu Tagekein Fräulein vom Wendelstein zufrieden gestellt sein möchte.

Nach wenigen Jahren starb Eckart Gans, aber nicht lange trug Catlia-rina den Wittwonschleier: sie reichte 1543 von Neuem ihre Hand HerrnFritz von Brandenstein, einem Sohn Ewald's von Brandenstein zu Ranis,ward 1551 zum zweiten Male Wittwe und lebte als solche noch 15G4.

Als am 16- Mai 1543 Catliarina, ihre noch lebenden Geschwister unddie Mutter in Leipzig zusammenkamen, um die Hinterlassenschaft ihresBruders resp. Sohnes Friedrich zu theilen, nahm die Mutter vorläufig dasSilbergeschirr, die güldenen Ketten, die Kleinodien und Kleider Friedrich'sfür sich, bestimmte aber, dass nach ihrem Tode dieses, so wie die vonihr Unterlassene Baarschaft auf ihre Töchter vererben sollte, sofern sie