91
beider Angaben einzugehen — das Ergebniß kann trotzdemals unzweifelhaft gelten, und sodann ist von einer jenenEreignissen näher stehenden Seite eine baldige und berufenereErörterung zu hoffen.
Die Abweichung beider Berichte ist bereits in den Mekl.Jahrbüchern (XIV, S. 62) hervorgehoben worden. Es istdaselbst die Liesländische Reimchronik und eine niederdeutscheOrdenschronik angeführt, welche letztere den ausdrücklichenZusatz hat, daß der Graf in jener Schlacht geblieben sei,sowie ferner dem gleichfalls unter den Pilgrimen erscheinen-den Ritter von Haseldors den Namen Johann beilegt. DenCharakter derselben anlangend, so haben wir es hier mitder sogenannten Jüngern Hochmeisterchronik zu thun ^),welche im Unterschied von der obigen speciell LiefländischenGeschichtsquelle eine allgemeine Chronik des deutschen Ordensgiebt. Durch diese Tendenz steht sie, wenn gleich minderschroff, auch den specifisch preußischen Berichten gegenüber 'H;für uniern Fall ist bemerkenswerth, daß sie gelegentlich derVereinigung beider Orden einen längern Exeurs über dieLiefländische Vorgeschichte einflicht. Es ist von den neuestenHerausgebern kenntlich gemacht worden, daß derselbe aufnichts anderm beruht, als auf eben jener Reimchronik, ab-gesehen von dem Zusatz des Vornamens Johann (von Hasel-dorf) und der Worte: — — sucks clis Krövs oncls vsolKusclsr inauus inzck barm Ihre späte Abfassungszeit (gegen>500) läßt an sich schon das Gewicht ihrer Angaben nichtbedeutend erscheinen; noch weniger ist es von Belang, wennverschiedene Liesländische Chronisten des l5. Jahrhunderts
1) Von Lisch a. a. O. aus (truder, OriZ. luvon. paZ. 200 citirt; dicdaselbst ausgehoben? Stelle ist den Ttnaisots. des Anton Matthäusentnommen. Die. neue authentische Ausgabe dieser Chronik in denLoript. rsr. krussio. V, die betreffende Stelle S. 75.
2) S Lorenz, Gcschichtsquellen (2. Auflage), Bd. II, S. 209. — Ganzdiesem Verhältniß entsprechend, hat sich denn auch die Hoffnung,aus der Preußischen Ueberliefcrung Aufschluß über dic erwähnteAbstimmigkeit zu gewinnen, als vergeblich erwiesen. Die wahr-scheinlich älteste Quelle, die Chronik von Oliver (Loript. rsr. ?russ. I,681; vgl. Lorenz S. 290, und wegen des Folgenden: S. 193 ff.),erwähnt außer dem Fall des Ordensmcisters Volkwin keine Einzel-heiten der Schlacht. Ebensowenig giebt Peter von Dusbnrg (Leript.Urnss. I, 65; um 1235) Notizen, welche für uns von Werth seinkönnten. Jeroschin (daselbst S. 367, Vers 5636 ff.) ist bekanntlichnur eine Unisetzung des Letztern in deutsche Reime; und aus ihmhat wiederum die ältere Hochmeister-Chronik (das. II, 546) ihrenStoff geschöpft.