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Folge 4 (1883)
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287
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mands Weib oder Kind. Sey kein Palger; aber wenn man die Fähnlein fliegen läßt, dannbiß keck und flehe nicht; dann es ist besser ehrlich gestorben, denn schändlich geflohen. Sehnicht vcrthunisch, biß aber auch kein karger Filz; zu Ehren spare nichts. Rede niemandesübel, gedenk' allzeit an dich selbst, daß du auch ein armer Mensch bist. Nicht handlefälschlich mit den Leuten, handle frei und rund, das bestehet am längsten; doch lerne dieLeut Wohl erkennen, denn gegen einen Frommen mußt du wieder fromm, sein. Vor einemFalschen hüte dich und rede gegen ihn desto langsamer. Die nothdürftigcn Armen laßdir befohlen sein; Schmeichler, Gotteslästerer und Schalksnarren laß dir nicht Wohlgefallen.Wer dich straft und dir wohl räth, den habe lieb. Treue Kirchen- und andre Diener habesehr lieb, lohn' ihnen nach deinem Vermögen. Untreue Diener laß mit Güte von dirkommen, behalte sie nicht. Jedermanns Schand hilf decken; doch wenn du regierst, sostrafe das übel. Biß denen, die unter dir sind, ein Vater; nicht beschwere deine Unter-thanen über die Billigkeit; dann dicselb Nahrung Hab' ich oft übel sehen gcrathen. Halthart über dem Frommen und ob ihm schon bisweilen eine Thorheit widrefährt, so strafaber mit Vernunft, soviel dir gebühret. Hüte dich vor dem Zutrinken, daraus, sprichtSankt Paulus, kommt ein unordentlich Leben."

Zwei Jahrhundert später übersetzte ein alter preußischer Dragon er-oberst, der unter Friedrich II. gefochten hatte, Freiherr Johann Karl Friedrich vonEberslein, diese Lehren an seinen auf die Leipziger Hochschule gehenden SohnWilhelm, nachdem derselbe im Kriegsdienst bereits als Cornet verwundet undzum Verbleiben unter den Fahnen seines königlichen Herrn untauglich gewordenwar, in die Anschauungen eines durch die Nachahmung der Pariser Sitten dochnoch nicht ganz um seinen bessern Kern gebrachten Zeitalters.

Rcichthum und Mittel," schreibt der alte Kriegsheld unter anderem,habe ich nicht.Darauf darfst du dich keinen Staat machen. Doch habe ich es in meinem sauern Dienstsoweit gebracht, daß meine Kinder nicht vor anderer Leute Thüre Brod suchen dürfen.Ich werde alles an dich wenden, was meine Umstände mir erlauben; im Gegenteil aberkannst du auch versichert sein, daß ich einem widersinnigen ungerathcnen Sohn nicht dasallergeringste gebe, sondern ihn sich, als seinem eigenen Macher, lediglich überlasse. Ichgebe dir einen Hofmeister mit, weil du noch unerfahren bist. Weiß ich auch wohl, daßdu dieses vor ganz überflüssig ansiehest, und mehr zu wissen glaubst, als ich und vielekluge Leute, so irrst du dich doch hierin in der Wahrheit. Diesen Mann gebe ich dir mit,konsideriere ihn als deinen Vater. Er soll dich auf der Reise, in Gesellschaften und indenen Collegiis begleiten, beständig mit dir disoonrieren; er soll dich die Arten derMenschen kennen lernen und wie man sich in der Allgemeinheit und insbesondere gegenjede Art dieser Menschen zu Verhalten habe. Hüte dich für dem Spiel, für dem Trunkund für dem weiblichen Geschlecht, als vor drei Quellen, woraus in dieser Weltalles Unglück für einen jungen Menschen gewiß fließet. Versäume das Gebet nicht,halte Gott und der Welt Hcyland Jesum stets in deinem Herzen, bitte ihn ohne Unterlaß,daß er dich mit seinem heiligen und guten Geist regiere, leite und führe. Sei hiernächstgegen jedermann, auch gegen den Geringsten, höflich, aufrichtig ohne Falsch. Achteeinen jeden klüger, weiser, vernünftiger und besser, als du dich selbsten achtest. Sei aberauch klug und wisse, daß die ganze Welt im Argen lieget und viele falsche, böseMenschen darinnen sein. Apliciere die Worte des Hcylands hier: seid einfältig wiedie Tauben und klug wie die Schlangen! Sei allzeit wirtschaftlich! Sei in deinemAnzüge reinlich, aber nicht prächtig! Zur Reitkunst rathe dir, dich noch etwas zu apli-ciercn. Lerne auch einige Monate fechten. Außer diesen beiden noblen Künsten weiß ichkeine, so dir nöthigscin könnte, und will kein Geld aus Tanzen, Voltigieren und dergleichenverwenden. Die Musik übe zu deiner Rckreation dergestalt, daß es nicht viel Geld kostetund dir die edle Zeit nicht verloren geht. Suche dich bei Leuten, welche wegen ihrerDextcrits und Drvitüre in gutem Ruf und Ansehen stehen und welche dereinst Werkzeugezu deinem Glück abgeben können, besonders bekannt zu machen, dich bei ihnen zu insinuierenund ihre Freundschaft zu erlangen. Hüte dich in ihrer Gesellschaft zu voreilig, spitzfindigoder ruhmräthig zu sein. Höre vielmehr, als du selbst sprichst. Gib acht allezeit, woandre hinauswollen. Nimm dich mit denen sogenannten Bon Mots in acht, denn manschlägt einen andern leicht damit in die Augen und kann dann viel Ungclegcnheitcn haben.Gieb niemand Gelegenheit zu Händel! verabscheue das niederträchtige Raufen, halt aberfest auf deine Ehre! Wirst du dazu genöthigt und die Sache kann mit Konservation derEhre nicht änderst abgemacht werden, so befiehl dich Gott und sei muthig und scheue wederPistolen noch Degen. So lange du aber dieses küxtrsranrn vermeiden kannst, so vermeidees. Sind deine Studien vorbei, so hast du deine Freiheit, einen Drnploi zu erwählen, sodir gefällig. Nur bedenke immer, wozu du onpachis bist."