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Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
283
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am Halse, bestehend in einem kleinen Löchlein, in der Hant auf der Gutturalemitgebracht. Als ich darauf im Winter des Jahres 1766 bis zu 1767 dieBlattern bekam, so ließen diese eine Brustheiserkeit zurück, da ich in dem kaltenWinter des dortigen Klimas in Lithauen in der kalten Stube auch während derBlattern schlafen mußte, dann mein Vater war wirklich harter Mann, hatte denGrundsatz einer harten Erziehung bis dahin ausgedehnt. Ohnerachtet ich derharten Erziehung während meiner Jugendjahre wirklich meine jetzige wenigerschwächlichen Gesundheitsumstände danke; so war hiebei doch in physischer Rück-sicht sowohl, wie in moralischen Folgen oft ein starker Exceß, wobei ich im Allge-meinen anmerke, daß ich auch nicht die geringste kindische oder später meinemAlter angemessene Zerstreuung vergönnt erhielt, nie in Gesellschaft von jungenLeuten meines Alters sein durfte. Meine Lebensweise war früh um 7 Uhr aufdie Reitbahn, um 9 Uhr in die Lehrstunde, um 11 Uhr auf die Uarols, umIL Uhr zu Tische bei meinem Vater, wo allezeit ein Tisch von 12 Personen war,und dieses, da ich den Kellermeister machen mußte, setzte mich dann auch in nichtwenige, oft mit Verantwortlichkeit verbundene Verdrießlichkeiten. Um S Uhrging es wieder in Lehrstunden bis S Uhr, von 5 bis 6 und 7 war stets einKonzert, darin ich die Violine oder den Baß spielte, wodurch in der Musik iches zu nicht gemeiner Fertigkeit brachte. Und zu meinen etwanigen Ausarbeitungenblieb mir bloß die späte Nachtstunde nach dem Loupss von 19 Uhr bis 12oder 1 Uhr Nachts. So war der regulaire Gang meines jugendlichen Lebens.Waren nun Bälle und Besuch oder dergleichen, so vermehrte das die steten Zer-streuungen, die mir, da deshalb nichts im Gange der Übungen nachgelassen ward,eine drückende Last statt Vergnügen zu geben, wurden.

In der Exerzierzeit, wo das Regiment um 8 Uhr ausrückte und oft vor^3 Uhr nicht in die Stadt wieder einrückte, so mußte, ich bei meinem wirklichschwächlichen Körper nach der gehabten Ermüdung und Erhitzung sowohl meineLehrstunden abwarten, als auch Musik, Fechten und Tanzen dabei den Nach-mittag forttreiben. Und diese für mein Alter und meine Kräfte zu enorm ange-strengte Thätigkeit brachte mich oft zu verzweifelnden Gedanken, dabei ich dieVorsicht anbetend danke, daß mein sanguinisches Temperament sie überwundenund nicht untergelegen. Und während dieser so äußerst thätigen Periode meinesLebens bin ich nie lange bettlägerig gewesen. Nach den Blattern aber ward iches desto stärker, und nun zeigte sich ein besonderes Drücken im Halse und einbrennender Schmerz auf dem Flecke, wo das erwähnte Mal auf der Gutturalsich befand. Nach einigen Tagen, da der ganze Hals dick und geschwollen ge-wesen und Umschläge fortgebraucht wurden, zeigte sich mit einmal, daß aus demkleinen Löchlein in der Haut am Halse ein klein Tröpfchen eines gelblichen Saftesherauskam und ich bekam Erleichterung. Man verschrieb eine goldene Haar-Sonde aus Königsberg und sondierte in den Kanal und fand solchen 4H2 Zolltief, und das Pressende Gefühl beim Sondieren ließ mich fühlen, daß der engeHautkanal krumm rechts herum ging, und wann die Sonde aufs Ende desselbentouchierte, so mußte ich husten :c.

Nachdem ich, wie vorerwähnt, nach meiner Genesung das Usmonts»Kommando 1768 noch als Fähnrich mitgemacht und zurück kam, hatte ich denerwähnten Accident, mit dem Pferde beim Exercieren zu stürzen und eine Rippeauf der linken Seite zu brechen, daß man mich ohne Besinnung wegtrug. MeineJugend und gute Natur aber siegte, und nach 8 Wochen war ich geheilt, nurdaß noch jetzt diese linke Rippe (die unterste) etwas erhaben stehet. Nur dieBeschwerlichkeit des Othemholens vermehrte sich. Bei jetziger Überdenkung derSache aber glaube ich, daß vielmehr das Flötenblasen, das, soviel ich mich er-innere, ich damals eben trieb, vielleicht mehr, als die Rippe dazu beigetragenhaben mag.