In Tilsit, wohin das Regiment nach dem Frieden zurückmarschierte, kamenwir Ende Aprils an. Daselbst blieb ich zwar bis 1769 Junker, hatte aber,nachdem mein Hofmeister Kamann, der wegen der meinem Vater bekannt ge-wordenen Irregularitäten dimittiert worden, unter Leitung des kaetoris derdasigen Provinzial-Schule (welche 3 preußische Provinzial-Schuleu nach demMuster der 3 Fürsten-Schulen in Sachsen eingerichtet sind) Privat-Unterricht inden Schulstunden der 1. u. 2- Klasse in Uuinauioribus zc. :c., verrichtete dar-neben aber auch den Dienst als Junker. 1768 ging ich mit einem Usmonts-Pferde-Kommando unter Kommando des Hauptmann v. Üchtritz nach Urack^in die Uaürairw durch Polen und an die tartarische Grenze und Lllomiu. DieserHauptmann v. Üchtritz, ein sehr instruierter Mann, dem ich lloa rsspeotu vielzu danken habe, war mein Leiter und Führer und ich war stets bei ihm undunter seiner Aufsicht, wie sein Kind. Dieser Zug durch Polen :c. hat viel zumeiner Bildung beigetragen. Verschiedene auf diesem Ukinouts-Kommando unsaufgestoßene Vorfälle übergehe ich der Weitläufigkeit halber, merke nur so vielan, daß die polnischen Großen, Woiwoden und Starosten sich außerordentlichwohl befanden, alle ihre Güter mehrenteils an Juden verpachtet hatten, welche,die Unreinlichkeit nicht gerechnet, im Wohlstande sich befanden, jedoch alle mög-liche Plackereien gegen die Bauern ausübten.
Unser Marsch durch Polen waren tägliche Feste. Wo wir hinkamen undein Gutsbesitzer war, nach Verhältnis seines Wohlstandes wurden wir mit fastübertriebener Gastfreiheit aufgenommen und bewirthet und dann nach dem Essengleich ein Ball angestellt, dabei der Ungarische Wein nicht gespart ward. Oftnach Verhältnis des Wirths war die Musik eine Violine und eine Strohfiedeloder Ambel. Oft bei Vornehmern äußerste Pracht und Profusion, doch Mangelan Einrichtung im Ganzen, z. Ex. bei dem Bischof v. Raue Graf Massalskiaßen wir oben auf mit Goldtressen besetzten Samt-b'autsuilen und Silber-Lsrvios,und unten an der Tafel saßen die Schlachtschützen auf hölzernen Bänken ohneLouvsrt und holten ihr Taschenmesser ohne Gabel zum Essen auf irdenen Tellernohne Serviette heraus. Und bei aller Pracht war Unreinlichkeit im Ganzen.So auch das schöne Geschlecht, trefflich und kostbar geputzt, Brüsseler Spitzen undSchmuck und ein schwarzes, unreinliches, lange nicht gewaschenes Hemde undSchmutz am Halse u. s. w.
In Podolien, dessen romantische Gegenden an dem großen Flusse äußerstschön und fruchtbar sind, wo ein Ochse 4 bis 9 polnische st. (ein st. poln. ist4 Gr.) galt, ein Schaf 2 bis 3 poln. st., hatten wir bei dem Kretschmar, einemJuden, das Quartier genommen. Eine Jüdin, die bei der Wirthin im Hausewar, hatte dem Hauptmann seine Lassstto, darin ein mathem. Besteck und Com-paß war, entwendet. Des Morgens, als es vermißt ward, war die Jüdin,eine Person von 18 oder 19 Jahren, nicht zu finden und hatte sich versteckt.Dadurch fiel der Verdacht auf sie. Das Kommando machte Halt, und der nichtvoll ^2 Stunde davon wohnende Uotstarosts (?) oder Verwalter (es waren gräfl.
Uatookische Uosssssiorws), der unter Drohungen ward, war nach
ein Paar Stunden so glücklich, die arme Jüdin zu finden. Mau brachte siegebunden. Das Besteck ward beigebracht, obgleich es etwas verdorben worden,und man wollte die Jüdin sofort aufhängen. Und der Hauptmann nebst demLieutenant und ich hatten alle Mühe, sie vorm Hängen zu retten.
Bei Brody ging der Hauptmann über die polnische Grenze bis in die tar-tarischen Gegenden, oft nur mit 4 bis 6 Mann. Allein alles hatte für diepreußische Uniform außerordentliche Hochachtung. Da hatten wir einst beieinem Muhsir, der uns erlaubte, mit seinen .... Pferde zu handeln, eine solenneAudienz, wo wir uns als des Königs Friedrichs 11. Gesandte gerierten.