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Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
133
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Gencral Lobkowitz von der östlichen Seite des Floßgrabcns her, gegen Pegau vorgeschoben;bei der Reiterei des letzteren befanden sich die drei sächsischen Regimenter Karabinicrsgardeund Prinz Karl und Prinz Albrecht Chcvanxlegers, welchen der glückliche Ausgang desAngriffs bei Audigast und Groitzsch hauptsächlich mit zu verdanken war. Die Preußenwurden mit Verlust von 300 Gefangenen, welche zu ihren besten Truppen gehörten, ge-worfen; in den Abendstunden mußten sie auch die Stadt Pegau räumen, und nur dieNacht setzte der Verfolgung eine Grenze.

Dieses Gefecht zeigte wieder einmal recht deutlich, daß es nur des guten Willens undeinigen Zusammenwirkens auf kaiserlicher Seite bedürfe, um den Übcrmuth des Feindesin Schranken zu,, halten und den seinen Unbilden preisgegebenen Gegenden Schutz zu ge-währen. Diese Uberzeugung, verbunden mit der Erwägung, daß bei der Indolenz öesOberkommandos der gute Wille nicht durch Bitten und Vorstellungen, sondern blas durchin Aussicht gestellte reelle Vorteile zu gewinnen sei, veranlaßte zu dieser Zeit den Land-kammerrath von Posern, im Interesse'der thüringischen Stände mit Ebcrstcin als Land-stand der Grafschaft Mmmsfeld, und mit dem Hauptmann aus dem Winckel als Landstanddes Fürstenthums Querfurth in Bcrathungcn über die Frage zusammenzutreten, ob demFeldmarschall Serbellonizu Remittierung derer in hiesiger Gegend ausgeschriebenenFouragelieferungcn nach Saalfeld und zu dessen mehre rem Fleiß (!) in Beschütznngdes abgedachten Kreises, Fürstenthums und Grafschaft zu bewegen, ein Wintcrquarticr-Douceur von 10000 Thalern zu offerieren sei," für welche Maßregel sie mit Gewißheitauf die Zustimmung ihrer Mitstänoe rechnen zu können glaubten. Mit noch größererSicherheit konnte man auf die Annahme feiten des kaiserlichen Feldmarschalls zählen,welcher, sobald er nur von der Absicht der drei Herren Kunde erhalten hatte, es an Zeichenseiner Bereitwilligkeit nicht fehlen ließ, so daß Eberstein seiner ersten Mitteilung überdie delikate Angelegenheit an den Kurprinzen noch glückstrahlend die Nachricht beifügenkann!der Herr Feldmarschall läßt infolge dessen schon ein Bataillon nach dem andernvorrücken;" selbst der Prinz Stollberg mußte sich in Bewegung setzen und sein Haupt-quartier von Arnstadt nach Weimar verlegen.

Aber auch der Feldmarschall-Lieutenant Luczinsky durfte von den Ständen nicht un-berücksichtigt gelassen werden, und man erfährt bei dieser Gelegenheit, daß die bereits er-wähnte Ordonnanz zur Regelung der Militärleistungen von dem Gencral schon in Hinblickauf eine reelle Erkenntlichkeit feiten der Stände erlassen worden ist. Bei ihm wird letzterein die Form von Tafclgeldern gebracht. Bei der schriftlichen Feststellung der gegenseitigenBedingungen halten es nicht etwa die kaiserlichen Generäle für nothwendig, um Diskretionzu bitten, sondern im Gegenteil,wegen ihres Risqui" nur die kontrahierenden Stände.Diefreie Ritterschaft" glaubt übrigens diese Gelegenheit benutzen zu müssen, in demVertrage, in dem sie natürlich auch den auf sie fallenden Anteil der Lieferungen mit inbe-griffen wissen will, doch auf ihr altes, von ihren allergnädigsten Herren, wie vom Feindestets berücksichtigtes Privilegium, der Freiheit von Fonragelicfcrungen, Bezug zu nehmen.

Mittlerweile wurden die von dem kaiserlichen Kommissar Koschin von Freydenfeld an-geordneten Zwangsmaßregeln zur Eintreibung der Requisitionen noch nicht eingestellt, ver-muthlich weil auch er und seine Helfershelfer auf reelle Erkenntlichkeit Anspruch erhoben.Noch unter dem 26. Februar berichtet Eberstein, daß bis an die Grenzen des preußischenKordons, welcher Lützen und Merseburg noch mit einschloß, kaiserliche Husarenkommandosdie Dorfschulzen arretieren, welche jedoch, auf seine Verwendung bei Serbelloni, wieder inFreiheit gesetzt worden seien.

In demselben Bericht geschieht einer schon oben gedachten Persönlichkeit wieder Er-wähnung, nämlich jenes Grenadiers Dämme, von dessen Schlauheit das Sammlungswerkmannigfachen Nutzen gezogen hatte. Während der kriegerischen Operationen, an welchenim vorigen Jahre die beiden sächsischen Kompagnien Teil nahmen, war Dämme, der die-selben wahrscheinlich nicht nach seinem Geschmacke fand, aus der Gegend von Düben deser-tiert. Er hatte sich darauf in Gesellschaft mit anderen Fahnflüchtigen und Revertentenlange Zeit im Lande umhergetrieben und die Straßen unsicher gemacht, bis er endlich imMannsfcldischcn nebst 16 seiner Genossen dem preußischen Major von Roth*) in dieHände siel, der Dämme in's Festungsgefängnis nach Magdeburg einlieferte. Von hier be-reits wieder nach 14 Tagen entlaufen', wendete er sich brieflich an Eberstein, seinen altenGönner, mit der Bitte um Pardon. Dieser wurde ihm zugesichert, auf dem Wege nachNaumburg hatte der schlaue Fuchs das Unglück, den Otto'schen Jägern in die Hände zufallen, welche ihn an Luczinsky ablieferten, der ihm 50 Stockprügel verabreichen ließ, zumgroßen Bedauern von Eberstein, der seinen früheren Vertrauensmann eifrig reklamierte,um mit dessen Zusendung auf's neue das mobile Korps zu beglücken.

Dieser ergriss gegen die umherstreisenden Marodeurs sehr energische Maßregeln. Einen der berüchtigtstenderselben, einen gewissen Baur aus Magdeburg, ließ er in Eisleben nebst 1? seiner Genossen., die aus säch-sischen Überläusern bestanden,weil sie ihn aus eine niederträchtige Art verwundet halten," ohne Gnadeniederhauen. Vergl. Seyfart. Geschichte des seit l7b6 in Deutschland gesührten Krieges. Bd. IV. Abt. 2. S. 364.