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Folge 4 (1883)
Entstehung
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Bon Naumburg, wohin das Sammlungswerk sich gegen Ende Juli vorwagt, muß es,da die Stadt wieder von den Reichstruppcn geräumt wird, bereits nach wenigen Tagennach Tantenburg zurückverlegt werden. Das Verhältnis zu dem Oberkommando der Rcichs-armee, welches vom Psalzgrafen von Zweibrückcn inzwischen wieder auf Serbelloni über-gegangen ist, hat sich nicht besser gestaltet, als es früher gewesen; der Feldmarschall willsächsische Ofsicicrc nicht bei den Vorposten dulden und hat angeordnet, daß die Revcrtentenerst in sein Hauptquartier gebracht werden, von wo er dieselben, wie Eberstcin behauptet,nach dem Hauptwerbcplatz der kaiserlichen und Rcichsarmce zu Kitzingcn befördern läßt,wo sie durch hohe Handgelder 20, 30, ja 40 Gulden angelockt würden. Ferner hatSerbelloni die Auslieferung der unter den Gefangenen befindlichen Sachsen streng unter-sagt; mit den Staatskassen, welche auf seinen Befehl überall mit Beschlag belegt werden,schaltet er völlig willkürlich. Auch mit Otto herrscht nicht mehr das alte gute Vernehmen;Eberstein beschuldigt denselben, daß er den Excessen seines Korps gegenüber zu viel nach-sehe, wie denn er und seine Officiere zu wenig vom Militärdienst verständen, um dienöthige Zucht und Ordnung zu erhalten.

Dagegen enthält ein Äcricht aus Tantenburg vom 4, September die erfreuliche Nach-richt, daß in vergangener Woche, den 24, August, der General Gschray*) vom GeneralStainville in Nordhausen aufgehoben worden sei, 'wobei man gleichzeitig 450 Pferde erbeutethabe. Der würdige Oberst Thürricgel gehörte nicht mit zu der Zahl der Gefangenen, daer wegen dringenden Verdachtes unerlaubter Korrespondenz von seinem Chef schon vorherarretiert und geschlossen nach Magdeburg eingeliefert worden war.

Die Sammlung der Ebcrstein'schen Berichte enthält leider nach diesem Schreiben vom4, September eine Lücke, indem das nächste aus Naumburg erst vom 30, Deccmber 1761datiert ist. Die Verhältnisse haben sich inzwischen wenig geändert. Erst den 29, Januar 1762machen die Generäle Luczinsky und Kleefeld eine Vorwärtsbewegung bis Teuchern, vonwelcher sie aber schon am folgenden Tage wieder zurückkehren, angeblich weil der Floß-grabcn zwischen Lützen und Pegau verhindere, den Feind mit Nachdruck anzugreifen. DieVeranlassung zu dieser nur mattherzig und von Haus aus ohne Zuversicht aus das Gelingenausgeführten Operation hatten die Stände des Stiftes Merseburg gegeben, von welchenein Konvent ausgeschrieben worden war, um über die Ausführung einer Abschlagzahlungvon 20000 Thlr' an Preußen zu bcrathen, welche am 3. Februar geleistet werden sollte.Bei der ungenügenden Unterstützung, welche der beabsichtigten Weigerung selten der Reichs-generäle gewährt wurde, werden sich die Stände wahrscheinlich'in das Unvermeidlichegefügt, und das Geld in den bodenlosen Seckel der preußischen Ober-Kriegskasse gezahlthaben.

Bot so die Anwesenheit der Reichsarmee dem Lande, den feindlichen Forderungengegenüber, nur einen höchst zweifelhaften Schutz, so ließ sie es dafür an Ansprüchen fürden eigenen Unterhalt nicht fehlen. Eine jener Persönlichkeiten, welche auch noch in spä-teren Zeiten als Administrativbeamte den Heeren zu folgen pflegten und sich auf Kostenderselben, ebenso wie des von ihnen ausgesogenen Landes zu bereichern wußten, ein kaiser-licher Kriegskommissar Koschin v, Freydenfeld, hatte für das bei Saalfeld stehende Korpsin der Gegend von Naumburg starke Fouragelieferungcn ausgeschrieben. War schon dasFutter nur mit Mühe zu beschaffen, so drücltc die Stellung der Transportmittel die vonallem Zugvieh entblösten Gemeinden fast noch empfindlicher. Die Bauern zogen untersolchen Umständen vor, ihre Häuser zu verlassen,wie denn überhaupt der Aufwand fürdie freundschaftlichen Truppen wenn man die preußischen Brandschatzungen und Kontri-butionen ausnimmt stärker und ihr Betragen ärger ist, als das feindliche." Vergeblichsuchte der Kreiskommissar von Berlepsch, ein sehr thätiger Beamter, die Erlaubnis zu er-wirken, die Fourage in Saalfeld erkaufen zu dürfen, um den kostspieligen Transport zuersparen; dem Rath von Naumburg wurde ein Officier und 30 Mann Exekution auferlegt,um die rücksichtslose, unbillige Forderung durchzusetzen. Unter solchen Umständen konnteeine gedruckte Ordonnanz des Feldmarschall-Lieutenants Luczinsky vom 3, Februar, welchedie Ansprüche der Truppen und die Leistungen der Gemeinden regulieren sollte, trotz ihrerwohlgemeinten Absicht, mit großem Vertrauen im Lande nicht begrüßt werden.

Die Preußen hatten mittlerweile von der Unlust der Merseburger Stände zum ZahlenKunde erhalten, und benutzten daher die Scheu Luczinsky's und Kleefcld's vor dem LützcncrFloßgrabcn, indem sie selbst am 5, Februar mit einer Streifpartei in Merseburg erschienen,die königlichen Kassen wegnahmen, und den Kammerrath Just als Unterpfand für größereWillfährigkeit bei Erlegung der Zahlungen mit fortführten.

Nun glaubten die kaiserlichen und Reichstruppen doch endlich auch einmal einen Bor-stoß wagen zu müssen. Am 9, Februar wurden der General Veczay von Naumburg, der

*) Man behauptet (vergl. Schöning, IH. S. 39), daß damals, als nach dem gewaltigen Aufsehen, welchesdie Werbungen Gschray's in einem großen Teile Deutschlands erregt hatten, das prahlerisch verkündete Unter-nehmen so bald mit der Gefangennahme des Chefs ein klägliches Ende erreichte, das Sprichwortviel Geschreiund wenig Wolle" entstanden sei.