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Folge 4 (1883)
Entstehung
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Über die Verhandlungen mit Serbelloni wegen des Winterquartier-Douceurs beobachtenjetzt mehrere Berichte Eberstein's Stillschweigen; jedenfalls handelte es sich mittlerweiledarum, unter der Hand für das Unternehmen das Interesse der beteiligten Stände zuerwecken und sich der Zustimmung derselben zu versichern.

Um so beweglicher lauten in dieser Zwischenzeit die Schilderungen unseres Berichter-statters von den Plagen und Quälereien, mit denen von beiden kriegführenden Teilen dasunglückliche Land heimgesucht wird, und welche jetzt wirklich ihren Kulminationspunkt zuerreichen scheinen.

In der Stadt Querfurt, welche eine Zeit lang mit preußischen Besuchen verschontgeblieben war, erschien Anfang März plötzlich ein Requisitionskommando von 4t) Pferden,welches im Namen der Obcrkriegskasse in Leipzig nachstehende Forderungen stellte:

an extraordinärer Kriegskontribution 18749 Thaler

an für das Jahr 1762 ausgeschriebener Kontribution. I9S59

an Fouragegeldern . . 39999

nächstdem an Naturallieferungen 209 Wispel Hafer, 689 Centner Heu und 72 SchüttenStroh. Die Geldleistung wurde in guten sächsischen oder brandenburgischen Achtgroschen-stücken verlangt, während die Münzjuden in Leipzig ihre in der abscheulichsten Weise deval-vierte Währung unter ofsiciellem Schutze verbreiteten, und von den Husaren in den thü-ringischen Städten die kupfernen Braupfannen wegführen ließen, um dieselben zur Legie-rung der entwertheten Münze zu verwenden. Da eine Befriedigung der Forderung zu-nächst unmöglich war, nahmen die Preußen drei angesehne Beamte aus Querfurt und3 Rittergutsbesitzer mit nach Leipzig.

Während aber so von feindlicher Seite Verfahren wurde, hielt sich nun auch das kaiser-liche Kommissariat für berechtigt, seine Fourageforderungen in Thüringen, Querfurt undMannsfeld mit Nachdruck zur Geltung zu bringen und ließ es an Exckutionskommandos,an Verhaftungen von Beamten und Gemeindeschulzen und anderen brutalen Zwangsmittelnnicht fehlen. Auch die Franzosen hatten einen Teil Thüringens besetzt und schalteten hierin nicht minder rücksichtsloser Weise, so daß es Gegenden gab, welche von 3 Seiten gleich-zeitig heimgesucht und verheert wurden. Wer niemals in seinem Leben Zeuge gewesen ist,welche traurige, den Wohlstand scheinbar auf lange Zeit hinaus vernichtende Wirkungenselbst ein rasch vorüberbrausender, noch dazu mit verhältnismäßiger Schonung geführterKrieg notwendigerweise für die von demselben betroffenen Gegenden im Gefolge hat, demmuß es geradezu unbegreiflich erscheinen, wie nach siebenjähriger Dauer solcher Drang-sale, solcher systematisch betriebener Erpressung und Ausbeutung, selbst eine mit fruchtbaremBoden gesegnete Provinz sich nach einer Reihe friedlicher Jahre doch wieder von den durcheine solche Kriegführung geschlagenen Wunden soweit erholen konnte, wie es, von einersparsamen, wohlwollenden Regierung unterstützt, unzweifelhaft hier in Thüringen der Fallwar, wenn auch die damals gemachten Schulden selbst noch bis auf unsere Tage herab eineErinnerung an jene unglückliche Zeit hinterlassen haben.

Der Bericht vom 26. März ist ganz dem Geschäft mit Serbelloni gewidmet, welchesdurch die persönliche Vermittelung des Landkammerraths von Posern, der sich im Auftragder Stände zum Feldmarschall nach Saalfeld begab, zum Abschlüsse gebracht worden ist.Die Registraturen über die zwischen Berlepsch und dem ersten Adjutanten Serbelloni's,Obersten Baron von Drechsel, geführten Verhandlungen sind Eberstein's Schreiben abschrift-lich beigelegt. Der Feldmarschall hatte dem ersten Anerbieten der Stände von 10990 Thalerdie Forderung von 16999 Thalcr entgegengestellt, und letztere gingen mit größter Bereit-willigkeit auf dieselbe ein; die beiden Adjutanten, Drechsel und Rittmeister'von Sonntag,mußten natürlich einen verhältnismäßigen Anteil an dem Gewinne haben. Die zu er-legende Summe sollte alsfür Kreis- und Bezirksbedürfnisse'' nöthige Ausgabe durchAuflagen herbeigezogen werden; S999 Thaler wurden, durch Vermittelung eines Haupt-manns von Herda, von der Herzogin-Regentin von Sachsen-Weimar leihweise auf 3 Jahregegen 4prozentige Verzinsung vorgestreckt.

Von den Städten war, derhöchst nöthigen Verschwiegenheit wegen", niemand vondem ganzen Geschäft in Kenntnis gesetzt worden; die der Herzogin-Regentin ausgestellteObligation ist daher bloß vom Grafen Heinrich von Bünau auf Osmannsstädt als Direktordes thüringischen Kreises, zwölf thüringischen Ständen, und aus dem Winckel für dasQuerfurt'sche und Eberstein für das Mannsfeld'sche unterzeichnet. Letztere beide lassen sichvorsichtigerweise revcrsieren, daß,wenn ihre Landschaften, das Fürstenthum Querfurt unddie Grafschaft Mannsfeld, die preußischen Postulata ganz oder teilweise bezahlen müßten,man keinen Beitrag von selbigen Forderungen wölke; auch sollte auf diesen Fall dieUnterschrift unter der Obligation null und nichtig und ungültig sein, auch dencnselben nichtzum Nachteile gereichen."

Der zu den Verhandlungen hinzugezogene stiftische Deputierte, Hofrath Holderitter zuNaumburg, erklärte sich dagegen für inkompetent, den Vertrag namens der Stifter Naum-burg und Zeitz mit zu vollziehen, dabei vertröstend, daß dieselben, wenn ihnen allerhöchsten