Druckschrift 
Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

In den ersten Monaten des Jahres 1761 dehnte sich der Schauplatz des Kriegeszwischen den Franzosen und den unter dem Herzoge Ferdinand von Braunschweig kämpfen-den Alliierten auch mit über Thüringen aus. Die Franzosen und Sachsen unter demGeneral Stainville begannen hier die Feindseligkeiten mit einem kecken Überfalle der preußi-schen Vorposten bei Kindelbrück und Ebeleben, wo am 25. und 26. Januar fast das ganzeFreibataillon Wunsch samt seinem Kommandeur, dem. Major von Bremer, im Ganzen11 Officicre und 622 Mann, gefangen wurden. Dieses Unternehmen wurde fast ausschließ-lich mit sächsischen Truppen ausgeführt, und der über die Erwartungen glückliche Erfolgdesselben verbreitete in ganz Thüringen große Freude. Um so niederschlagender wirkte balddaraus die Nachricht von dem, besonders für die Sachsen unter dem GencrallicutenantGrasen Solms, welcher in Abwesenheit des Prinzen Xaver das Kommando führte, höchstnachteiligen Treffen bei Langensalza am 15. Februar. Eberstein und sein Sammlungs-werk wurden mit in den Rückzug der Landsleute verwickelt und mußten mit denselben vonKühndorf nach dem Würzburg'schen retirieren, wo die Officicre Ebcrstein's, in verschiedeneOrte verteilt, mit dem Sammeln der Versprengten und der aus der Gefangenschaft Ent-kommenen , lange in Thätigkeit erhalten wurden. Erst den 23. März ist wieder ein Berichtvon Suhl datiert, und es folgen bis zum Juni noch mehrere aus dem Hennebergischcn,welche bis auf einen, wenig Neues und Interessantes bieten. Diesem einen aber ist inder Abschrift das an den Major von Eberstein gerichtete Schreiben des bisher in französischenDiensten bei einem dem Prinzen Xaver zugeteilten Freikorps gestandenen HauptmannsThürricgel beigelegt, in welchem dieser von Erfurt aus mitteilt, daß er und der Oberstvon Gschrap ohne Abschied in preußische Dienste übergetreten seien, wo letzterer als General-major, er, Thürricgel, als Oberstlieutenant Aufnahme gefunden hätten*). Als Beweggründedieser schmählichen Fahnenflucht werden die Chikanen des Versailler Hofes, welcherihreTreuheit und Talente nicht habe rekompensieren wollen," angeführt. Der König Friedrichhat die Kapitulation mit den Überläufern den S. April in Meißen unterschrieben; Gschraywird Chef eines von ihm zu errichtenden Freikorps von 600 Chcvauxlcgcrs und 1000 MannInfanterie; Thürricgel unter ihm Kommandant desselben. Ton und Inhalt des Schreibenskennzeichnen den Verfasser als einen jener verworfenen Soldkncchte, ein Mittelding zwischenSoldat und Räuberhauptmann, wie im 7 jährigen Kriege deren bei den leichten Truppen,den Freikorps, auf beiden Seiten noch vereinzelt vorkommen. Der Brief des säubernHerrn schließt mit der Bitte, der Adressat möge seiner Konduite keine schlechte Auslegunggeben. Das verdiente Schicksal ließ übrigens, wie wir gleich hören werden, den neuenOberst nicht lange auf sich warten.

Sonst sind Eberstein's Berichte mit den alten Klagen gefüllt, unter denen die Geld-noth nach wie vor eine Hauptrolle spielt. Er hat 1000 Thlr. von Frege in Leipzig undebensoviel von einem Freunde leihen müssen, um nur das Löhnungsbedürfnis zu decken.Auch die Hiobsposten nehmen kein Ende; das Städtchen Kindelbrück ist von 3 preußischenMarodeurs angesteckt und bis auf 12 Häuser niedergebrannt worden.

Infolge des allgemeinen Vorrückens der Rhcinarmee im Juni 1761 schließt sich Eber-stein, nachdem er 4 Officicre des Sammlungswerkcs im Henneberg'schen zurückgelassen, andas Otto'sche Freikorps in Kahla an und geht mit diesem über Jena den 30. nach Eisen-berg. Das Hauptquartier der Rcichsarmce befindet sich seit dem 13. in Reichenbach, einKorps derselben unter dem Feldmarschall-Lieutenant von Nauendorff in Ronneburg. Eber-stein spekuliert bei dieser Vorwärtsbewegung stark auf die in der Kreisstcuereinnahme inLangensalza enthaltenen Tranksteuergelder; seine Geldverlegenheit ist groß, aber dennochmacht er Komplimente, von Otto 115 Thaler Flcischsteucrgcldcr anzunehmen, welche dieserauf einem seiner Strcifzüge auf der Post in Querfurt mit Beschlag belegt hatte, weil siean die preußische Oberkriegskasse in Leipzig adressiert waren. Ebcrstein's Bedenklichkeitenstützen sich darauf, daß es Kammergclder seien und erst als Otto erklärt, daß er die Summedann an Serbelloni einsenden werde, welcher solche delikate Unterschiede nicht zu machenpflege, wagt er schüchtern zuzugreifen.

Im Niückcn und vor der Front sieht es übrigens sehr unsicher aus; zwei OfficicreEbcrstein's, der Lieutenant Axthelm und der Stückjunker Kupilio sind am 20. Juli aufdem Wege zur Xaver'schen Armee zwischen Hirschfeld und Rothenburg von dem Freytag'schenFreikorps gefangen genommen worden, während Gschrap's neugeworbene Heldenschaar alserstes Debüt das Eberstcin'sche Gut Gehofcn im Mannsfeldschen heimsucht und, unterVerübung arger Excesse, den Verwalter und sämtliche Knechte von da als Rekruten mit-nimmt.

*) Gschra» und Thürriegel meldeten sich nach ihrem Übertritte in Preußische Dienste auch Persönlich beimHerzoge von Braunschweig. Wessen siäi dieser von den beiden Ehrenmännern versah, davon zeugt eine anden König Friedrich unter dem 28. April gerichtete Bitte,äs Isar assiAnsr ponr plaos Ä'assemdläs uns villsgui ns tut point äan8 Is voimnaZs äs I'arinäs alli6s, vu gus 31 js Isur psrinsts ainoi yn'ä Isur8 snrolsuraäs pareourir Is3 Hun>rtisr8 äs I'airnäs, js 168 msttraio äan3 1s ss>3 äs äonnsr aux I'ranyg.io toutso Iso notion3po83ibl68 äs I'ätat on I'arrnäs L.IU6 3s trouve st äs touo Iss rnouvsrnsnto yu'slls pourrait kairs." Schöning,der siebenjährige Krieg, III. S. 39.

9*