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Folge 4 (1883)
Entstehung
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Armatur und Lederwerk den Deserteuren abkaufen ließ. Der von Eberstein mit der Über-nahme der bei den Württembergern eintreffenden Revertenten beauftragte Lieutenant vonTettenborn fand daher beim Herzog keine fehr freundliche Aufnahme, sondern wurde kurzbedeutet, sich aus dem Bereiche des Korps zu entfernein Eberstein machte sich nun selbstauf den Weg zum Herzog, der inzwischen sein Hauptquartier nach Merseburg verlegt hatte.Er fand hier einen sehr willfährigen Vermittler in der Person des kaiserlichen Gesandtenam herzoglich-württembergischcn Hofe, Baron Rüdt von Callenberg, welcher dem Majorvon Eberstein mit dem Vorschlage entgegen kam, das ganze sächsische, jetzt im wesentlichenbei Luczinsky befindliche Detachement in kaiserlichen Sold zu übernehmen und dem Korpsdes Herzogs von Württemberg zuzuteilen. Auch Kavallerie will der bereitwillige Gesandteaus sächsischen Revertenten organisieren, und wenn dazu 1000 Pferde erforderlich wären;es solle durchaus nichts ausmachen, falls das sachsische Korps auf 8 bis 10000 Mann an-wachse, es werde für deren Verpflegung gesorgt werden. Freilich, fügte der vorsichtigeDiplomat hinzu, werde der kaiserliche Hof hierzu nichts beitragen, er selbst habe aber ausder Grafschaft Hohenstein und dem Hessischen ansehnliche Kassen zusammengebracht, undauch die Kontribution von Halle und dem Brandenburgischen sei er autorisiert, zur Ver-stärkung des Württembcrgischen Korps nach eigenem Gutdünken, zu verwenden. Bezüglichdes Lieutenants von Tettenborn übernahm es Rüdt, dessen Verbleiben bei den herzoglichenTruppen zu vermitteln.

Die Vorschläge des kaiserlichen Gesandten mußten um so plausibler erscheinen, als siezugleich einen Weg boten, um den alten Stein des Anstoßes, die widerwillige Absenkungder Leute zu der Armee bei den Franzosen, zu umgehen. Hatten sich doch noch von demletzten Transporte, dessen Stärke leider nicht angegeben ist, 19 Mann auf dem Marschemit Waffen und Ausrüstung entfernt.

Es geschah vielleicht infolge der zwischen Eberstein und Rüdt getroffenen Verabredungen,daß am 15. September die beiden sächsischen Kompagnien vom Luczinsky'schen Korps nachNaumburg zurückgezogen wurden, da sie noch nicht genügend zur Kampagne ausgerüstetseien; ein wenig glaubwürdiger Grund, da sie ja bereits schon längere Zeit im Feldestanden, und gerade jetzt recht nothwendig zu gebrauchen waren.

Denn in "der zweiten Hälfte Septembers schienen die Generäle der kaiserlichen undReichsarmee sich wirklich einmal zu vereinigter, frischerer Thätigkeit aufzuraffen; manglaubte die günstigen Chancen, welche die Abwesenheit des in Schlesien von Daun be-schäftigten Königs Friedrich vom sächsischen Kriegsschauplatze, und die Annäherung derrussischen Armee unter Fcrmor zu gemeinsamen energischen Operationen gegen das nur vondem schwachen Hülsen'schen Korps gedeckte Betlin benutzen zu müssen.

Das Kriegsglück zeigte sich den kaiserlichen Waffen günstig; am 27. September kapitu-lierte Torgau," dessen Besatzung von 2500 Mann mit 60 Officieren das Gewehr streckte.Während der Herzog von Zweibrücken mit der Reichsarmee, der Herzog von Württembergund Luczinsky sich nun bei Wittenberg vereinigten, reichten sich der'Feldzeugmcister Lasey,der von Schlesien zurückkehrte, am 7. Oktober vor Berlin mit dem russischen Korps desGenerals von Tottleben die Hand. Beide verdrängten gemeinschaftlich am 8. den GeneralHülsen aus seinem Lager am Halle'schen Thore und besetzten am folgenden Tage diePreußische Hauptstadt. Leipzig war schon am 3. Oktober von den Preußen geräumt worden;am 14. fiel das vom General Salomon verteidigte Wittenberg.

Aber die Annäherung des Königs Friedrich nöthigte die Österreicher und Russen,Berlin am 12. schon wieder zu räumen; Lasey ging auf Torgau, die Rcichsarmee, nachdemsie die Festungswerke von Wittenberg zerstört hatte, auf Leipzig zurück. Schon hatte sichbei dieser der Geist kleinlicher Zwietracht unter den höheren Führern wieder bemerkbar ge-macht, indem zuerst Luczinsky, welcher bei Bitterfeld an die Befehle des Herzogs gewiesenworden war, dadurch gekränkt die Armee verließ und sich, Kränklichkeit vorschützend, nachUngarn, seiner Heimath, begab. Gleich darauf am 12. Oktober vor Wittenberg, erklärteder Herzog von Württemberg dem Pfalzgrafen von Zweibrückcn, daß er sich von dessenHeere trennen und den Rückzug antreten werde. Wirklich führte er aus der Gegend vonLeipzig seinen Vorsatz aus und' zog mit seinem 10000 Mann starken Korps über Erfurtund Schleusingen in seine Lande zurück Zur Begründung dieses ausfallenden Verfahrensbeklagte sich der Herzog, daß ihm feiten Daun's und des Pfalzgrafen zu wenig Beachtungzu teil geworden und er nicht willens sei, die Stelle eines Husarcnpostens zu übernehmen.Auch dieses Zwischenspiel wirft einen traurigen Schatten auf die Beziehungen, die aufösterreichischer Seite unter den höheren Führern obwalteten, und dem großen königlichenFeldherrn, der ihnen gegenüberstand, den Sieg oft unter Umständen in die Hand spielten,wo das launenhafte Kriegsglück seinem Günstling doch einmal den Rücken zu kehren schien.

Das seit dem 3. Oktober von der Reichsarmee besetzte Leipzig, der wichtigste Central-punkt des preußischen Erpressungssystems, konnte nun nicht mehr gehalten werden, undwurde den 31. Mai dem Feinde wieder überlassen. Die von Daun getrennte Reichsarmeewendete sich gegen Chemnitz, während der kaiserliche Feldmarschall am 3. November die

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