vorhandenen 183 Mann werden hier in 2 Kompagnien geteilt, von welchen die eine demHauptmann von Edelstein, die andere dem Hauptmann aus dem Winckcl erteilt wird; beierstercr befinden sich sämtliche bei der Saalfeldcr Meuterei mit beteiligt gewesene Mann-schaften, welche man auf diese Weise von den übrigen trennte. In operativer Beziehungwar das Detachemcnt bisher dem Korps des kaiserlichen Obersten von Spruncck*) zugeteilt,der sich jedoch, ungeachtet er mit den Sachsen über 1S00 Mann verfügte, von dem preußischenParteigänger, General Solomon, so imponieren ließ, daß er diesem vcrstnttete, mit etwa400 Mann der schlechtesten Leute scinesFreibataillons und den 180 Husaren eines berüchtigtenRittmeisters Kowats überall nach Herzenslust zu schalten und zu walten. Auch als späterdas Detachement Spruneck's an den uns' von der Zeitzer Affaire her bekannten Oberstenvon Gräven, den Kommandanten des Baronay'schcn Husarcnregiments überging, zeigtedieser keinen größeren Unternehmungsgeist; er ließ den General Solomon, welcher Merse-burg zum Mittelpunkt seiner Strcifereien gemacht hatte, ganz unbehelligt und zog sicham 26, Juli ohne jede zwingende Veranlassung, mit völliger Prcisgcbung Thüringensund der Stifter Naumburg und Zeitz nach Gera zurück, wohin ihm Eberstein folgenmußte, der es nur mit Mühe durchzusetzen vermochte, daß zum Schutze des schon so schwerheimgesuchten Zeitz ein Detachemcnt in "Dragsdorf zurückgelassen wurde, welches am Tageseine Patrouillen bis Zeitz vorgehen ließ.
Was dreistes Wagen in diesem Parteigängerkriege für Chancen bot, zeigt im Kleinender schlaue Dämme, welchem man 12 sächsische Infanteristen anvertraut hatte, mit denener einen Posten von 10 preußischen Husaren überfiel und 4 Mann und 8 Pferde zurück-brachte, Man übertrug ihm auch die Korrespondenz mit den im Harz sich herumtreibendenRevertcnten, welche, gegen 200 Mann stark, den Allierten bei Nordhausen ein förmlichesTreffen geliefert hatten. Die Unterhandlungen führten zu keinem Ziele, da die Leute mitgroßer Zähigkeit auf der Bedingung bestanden, in keinem Falle, weder einzeln noch imGanzen, zum Dienst im französischen Korps gezwungen zu werden, Sie boten später, beidem Vorrücken des Herzogs von Württemberg nach Thüringen, diesem ihre Dienste an,und es scheint der größte Teil derselben bei dessen Korps Verwendung gefunden zu haben,Gräven war mittlerweile ohne alle Roth bis Zwickau zurückgewichen, hier aber hatteEbcrstein es doch durchgesetzt, daß wieder nach Naumburg vorgerückt wurde, während dasOtto'sche Korps Zeitz besetzte. Der Rittmeister Kowats hatte die Zeit dazu benutzt, beiSangerhausen und Langensalza die ärgsten Erpressungen zu verüben.
Charakteristisch ist die Anfrage Eberstein's, ob er im Falle der Gefahr „oder auchwenn solche wirklich an den Feind abgeliefert werden sollen" königliche Kassen gewaltsaman sich nehmen dürfe; „denn wenn solche dem Feinde oder den Kaiserlichen (!) zu Teilwürden, sei eine Restitution nicht zu erhoffen; in Güte aber würden von den Einnehmerndergleichen Gelder niemals extradiret," Solche zarte Bedenklichkeitcn, solche ängstliche Scheuder rohesten Gewalt einerseits, pflichtvergessenen Beamten andererseits gegenüber, ist eineköstliche Illustration der jämmerlichen Schwäche, in welche, Dank der Brühl'schen Politik,der öffentliche Dienst in Sachsen gerathen war.
Den 17. August traf der Feldmarschall-Licutenant Luczinsky mit 4300 Mann beiNaumburg ein, sodaß hier nun mit Gräven über 5800 Man vereinigt standen. Eswar die Zeit, wo nach dem verunglückten Angriffe Friedrich's II, auf Dresden wiedereiniges Leben in die matten und schwerfälligen Operationen Daun's und der Reichs-armce kam, Luczinsky, welcher auf Halle zu marschieren die Absicht hatte, erhieltvon dem Befehlshaber der ReichSarmee, Prinzen von Zwcibrücken, die Weisung, sicherst gegen Borna und Würzen zu wenden, und brach den 19, mit den bei Naumburg ver-einigten Truppen auf; die Sachsen versahen den Vorpostcndienst, und erwarben sich beiden folgenden Operationen die volle Zufriedenheit ihrer Führer, so daß Gräven laut er-klärte, die 2, Kompagnien Sachsen seien ihm lieber, als eben so viele Bataillone Reichs-truppen, In Würzen wurde den 21, August der mehrerwähnte Rittmeister Kowats über-fallen und ihm ein Verlust von 40 Mann und 70 Pferden zugefügt, während der dies-seitige nur 2 Tode betrug. Nun ging der Marsch über Eilenburg und Bitterfeld nachHalle, welcher Stadt von Luczinsky eine Kontribution von 140000 Thaler auferlegt ward.Eberstein ist mit einiger Mannschaft in Naumburg zurückgeblieben; das Verfahren gegenHalle erscheint ihm, den preußischen Brandschatzungen in sächsischen Orten gegenüber, sehrgemäßigt, auch ist das Lob, welches er Luczinsky's strenger Mannszucht zollt, welcher zu-folge kein Mann in den preußischen Landen einen Bissen Brot umsonst fordern dürfe, nichtfrei von Ironie, indem er hinzufügt: „Folglich ist solche noch besser beschaffen, als inunserem eigenen Lande,"
Seit dem 7, September war nun auch der Herzog von Württemberg, dessen Korps imMai aus dem französischen Solde entlassen und vom Kaiser übernommen worden war,bei Querfurt angelangt. Dieser war noch sehr um die Kompleticrung seiner Truppen be-müht, und in Bezug auf die Mittel zu diesem Zwecke nicht sehr wählerisch, indem er sogar
*) Eberstein schreibt diesen Oberst beständig „Sprung,"