Druckschrift 
Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

die beim Sammlungswerk angestellten Officiere den Revertentcn bei ihrer Ankunft, wohlnicht gerade selten/auf die von diesen gestellten Bedingungen, nicht zur Armee im fran-zösischen Solde gesendet zu werden, im Eifer der Verhandlungen einen ausweichenden oderdoppelsinnigen Bescheid, wenn nicht geradezu ein zustimmendes Versprechen erteilten, dessensich später, wenn der Mann aufs neue den Fahneneid geschworen hatte, niemand mehr zuerinnern wußte, so befindet man sich in der Lage, die Beweggründe zu beurteilen, welchezu dem sonst unerklärlichen, in Eberstein's Berichte geschilderten meuterischen Exccsse Ver-anlassung gaben,

Oberst von Carlsburg hatte am 16 April mit einem Teile der beim Sammlungsdepotin Neustadt befindlichen Mannschaft den Marsch zur Armee im Würzburg'schen angetretenund war bis Saatfeld gelangt, wohin ihm Major von Ebcrstein, des Rechnungsabschlusseswegen, das Geleit gegeben hatte. Am folgenden Morgen sollte von da der Marsch fortge-setzt werden; das Detachement stand auf dem Markt rangiert, und der Hauptmann vonSalza kommandierte den Antritt, als der Grenadier Böttger von der Leib-Grcnadier-Gardedas Gewehr erhob undHalt" rief. Mit lauter Stimme redete er dann die Leute an:Vivat der König in Polen! Wer em rechtschaffener Kerl und Sachse ist, bleibt hier! Wirmarschieren nicht zu den Franzosen, Im Lande wollen wir dienen, aber mit den Fran-zosen nicht!"

Alles Zureden der Officiere blieb vergeblich: die Reihen wurden gebrochen; ein Teilder Leute lief zum Thore hinaus und rangierte sich unter Böttger's Führung, ein andererblieb zwar auf dem Markte, weigerte sich "aber von der Stelle zu gehen, Den Bedrohungender Officiere mit der Waffe setzten sie das Gleiche entgegen, ohne sich an einem derselbenzu vergreifen. Die aus der Stadt gegangene Abteilung sendete eine Deputation an denOberst von Carlsburg mit der Erklärung:daß sie keinesfalls außer Landes bei denFranzosen Dienste thun würden; dahingegen möge man sie mit der kaiserlichen oder Reichs-armee agieren lassen; sie würden dann jederzeit für das Vaterland als brave Leute fechten,wenn sie auch keine Löhnung erhalten und sogar vor Leipzig gehen sollten," Dem Oberstenhielten sie vor,ob sie wohl jemals seiner Ordre außerdem ungehorsam gewesen, und obsie nicht bei der Zeitzer Affaire das Ihrige als redliche Leute gethan hätten?"

Man sendete sofort Staffelten an den Fcldmarschall-Lieutenant Luczinsky in Schleizund den Obersten von Seckendorfs in Pößneck mit der Anzeige von dem Vorfall und derBitte um Gewährung von Unterstützung gegen die Meuterer, Nach langem Zureden ließ sichendlich der in Saalfeld zurückgebliebene Rest von 5060 Mann willig finden, dem Oberstenvon Carlsburg nach Gräfenthal, dem nächsten Marschguartier, zu folgen, wo Rasttag ge-halten werden sollte, in der Hoffnung, daß die anderen, welche sich in ein Gehölz bei Saal-feld, die Katze benannt, zurückgezogen hatten, mittlerweile Vernunft annehmen und sich derMarschkolonne wieder anschließen würden, wenn man ihnen in diesem Fall Straflosigkeitzusichern werde.

Die Verlegenheit der sächsischen Führer war groß. Die Kavallerie hatte sich zwar ander Meuterei nicht mit beteiligt; freilich hatte diese aber auch nicht mit zur Armee ab-marschieren, sondern zur Deckung des Sammlungswerkes zurückbleiben sollen. Die übleStimmung der Leute war nicht verborgen geblieben; man hatte jedoch bisher immer ge-hofft, daß das Excmpel einer harten Strafe auf dieim preußischen Dienste ausgearteten"Leute einen günstigen Eindruck machen werde, und deshalb kurz vorher einen Deserteurder Leibgarde, welcher siebenmal aus dem sächsischen Dienste entlaufen war, kriegsgericht-lich verurteilen und henken lassen; Ebcrstein bemerkt jedoch, daß während der Exekutionsich Stimmen unter der Mannschaft erhoben hätten,es werde sich niemand daran kehren,denn alle könnten sie doch nicht gehangen werden,"

Die Hoffnung, daß die Meuterer dem mit dem Obersten von Carlsburg nach Gräfen-thal abmarschierten Detachement nachfolgen würden, schlug fehl; sie hatten sich vielmehr ausdem Gehölz bei Saalseld über die Saale nach Uhlfeld bei Rudolstadt gezogen. Von hieraus sendeten sie durch einen Unterofficier, welchen Carlsburg zur Anknüpfung von Ver-handlungen und Verkündigung eines Pardons an die Aufständischen abgeschickt hatte, einSchreiben an den Major von Eberstein folgenden Inhalts:

Sie hätten sich gegenseitig das feierliche Versprechen gegeben, nicht auseinander zugehen, sondern vielmehr jeden als Deserteur zu betrachten und sofort zu erschießen, der sichvon ihnen wegwende. Dagegen beschwerten sie sich, daß ihnen das von den Officieren ge-gebene Versprechen, nicht zur französischen Armee geführt zu werden, nicht gehalten wordensei. In Sachsen wollten sie ihre Pflicht als rechtschaffene Soldaten nach wie vor erfüllenund ihr Vaterland gegen den Feind mannhaft verteidigen, nur aber nicht dahin geführt sein,wo sie sich ohne Nutzen für dasselbe todtschießcn lassen sollten, Sie baten den Major vonEberstein, selbst zu ihnen zu kommen und ihnen das desfalls gegebene Versprechen zuwiederholen, aber nicht, wie sie mit Bitterkeit hinzufügten, auf Kavaliersparole, sondernim Namen des Königs; auch versicherten sie, daß es Rädelsführer unter ihnen nicht gebe,da sie einer wie der andere dächten,"