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Folge 4 (1883)
Entstehung
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3 Bataillonen und 6 Geschützen auf's neue besetzt und mit einer Buße von 800V!) Thalernbelegt, für deren Zahlung mehrere Geißeln haften mußten, unter welchen sich auch der70 jahrige Bürgermeister befand, der auf dem Transport der rücksichtslosen Behandlungerlag.

Welcher kleinliche und engherzige Geist die kaiserlichen Generäle beherrschte, beweistauf's neue eine zu jener Zeit von "dem Prinzen Stollberg von Lobcnstein aus an dieGeneräle Luczinsky in Schlciz und Kleefeld in Plauen erlassene Ordre, auf die Lamen-tationen Thüringens nicht weiter Rücksicht zu nehmen. Es waren keineswegs strategischeBeweggründe, welche diese unheilvolle, reiche Gegenden dem Ruin preisgebende Weisungveranlassten-, Eberstcin legt die Schuld, nicht ohne Wahrscheinlichkeit, dem FcldmarschallGrafen Serbclloui zur Last, welcher sein Hauptquartier von Bamberg nicht weiter verlegenwolle, weil er von der Stadt Nürnberg, für deren Deckung, die Summe von 30000 Guldenbeziehe, deren Zahlung wegfallen würde, sobald die Furcht vor einer feindlichen Invasion,bei größerem Abstände der Stadt, schwinden sollte. Man ist zunächst geneigt, diesen hartenVorwarf, welchen Eberstein hier dem österreichischen Feldherrn, einem Manne von so hohemRange und vornehmer Abkunft macht, für eine im Nnmuth ausgesprochene, unbegründeteVerdächtigung zu nehmen; wir werden jedoch sehr bald die unzweideutigsten Nachweise ge-liefert erhalten, wie zugänglich nicht blos Serbelloni, sondern auch dessen Umgebung derBestechlichkeit waren.

Der Bericht Eberstcin's vom 10. April aus Neustadt a. d. O meldet dem Kurprinzeneinen sehr beklagenswertsten Vorfall, welcher uns einen tiefen Blick in die inneren Zu-stände der Armee, in die Stimmung und Anschauungsweise der Mannschaft, und auf denbeschränkten politischen Standpunkt der niederen Volksklassen jener Zeit gestattet, und daherauch von kulturgeschichtlichem Interesse ist.

Bevor wir auf den Inhalt des Eberstein'schen Berichts näher eingehen, sei uns derVersuch erlaubt, die sociale Lage eines besitzlosen, aber körperlich kräftigen jungen Mannesin jener kriegerischen Periode einer Beleuchtung zu unterziehen. Sie war in der Thatfast aller Orten, besonders aber in dem von jeder Plage des Krieges am schwersten heim-gesuchten Sachsen, eine höchst unglückliche. Wenn, wie es im Laufe der Begebenheiten,die wir sogleich schildern werden, geschieht, arme, durch irrige Anschauungen vom Wege derPflicht verführte, aber ihrem Fürsten, ihrem hartgeprüftcn Vaterlande in treuer Liebe er-gebene sächsische Soldaten ihr Schicksalmit dem des gehetzten Wildes vergleichen, so liegtleider in diesem traurigen Bilde keine Übertreibung. Durch preußische Werber vom Pflugehinweg geholt j oft den Armen von Weib und Kindern entrissen und unter Mißhandlungenin den Soldatenrock gesteckt, zwang man den Unglücklichen, dem Feinde seines rechtmäßigenKönigs den Eid der Treue zu schwören und für eine fremde Sache gegen seine eigenenLandÄeute, seine Brüder zu kämpfen. Entzog er sich dieser empörenden Knechtschaft durchdie Flucht, so setzte er sich nicht blos, im Falle der Wiedergefangennahme, den grausamstenStrafen, ja selbst der Todesstrafe aus, nein, auch sein Heimathsort, seine Familie wurde fürihn verantwortlich gemacht, sein oder seiner Eltern ärmliches Eigenthum konfisciert unddie Gemeinde, der er angehörte, mit scharfer Exekution gepeinigt. Was Wunder, wennunter solchen Umständen die an den Lasten des Krieges ohnehin so schwer tragenden Ge-meinden mit ihren Bedrückern wetteiferten, den Entlaufenen, der am heimischen Herde Schutzsuchte, wieder einzufangcn und auf ihn Jagd zu machen, wenn er in der Umgegend seinerHeimath in den Wäldern umherirrte Er war dann froh, wenn er bei der ersten bestenTruppe, gleichviel ob der kaiserlichen oder der Reichsarmce, den Hannoveranern oderBraunschweigcrn ungehörig, eine Zuflucht fand; die beiden letzteren, obgleich sie in Hessenund Westfalen gegen die Franzosen und mithin auch gegen das sächsische Hülfskorps Krieg führten,betrachtete er nicht als Feinde seines Vaterlandes, welchem ja von ihnen keine Ünbillwiderfuhr. So verwirrten sich die durch keine Belehrung irgend einer Art berichtigtenBegriffe des gemeinen Mannes vollständig; Feind war ihm nur der Preuße, der seinVaterland bedrückte, gegen den sein König in den Waffen stand, unsympathisch der Fran-zose aus nationalem Instinkt, und weil sein schlichter Sinn die politischen Kombinationen,welche die Interessen Sachsens an Frankreich knüpften, nicht zu durchblicken vermochte.Aus solchen Anschauungen erklärt sich die entschiedene Abneigung der aus dem preußischenDienst, oft nach inzwischen wiederholtem Fahncnwechsel, endlich beim Sammlungswcrke ein-treffenden Flüchtlinge, zu dem in französischem Solde stehenden Korps auf den von dembedrängten Vaterlande entfernten Kriegsschauplatz gebracht zu werden, wo sie an derSeite der Franzosen gegen deutsche Volker fechten sollten, für welche sie, trotz der Feind-schaft der Kabinette, im Herzen doch wärmere Gefühle hegten, als für die hochmüthig aufsie herabblickenden Bundesgenossen. Hierzu kam noch die unter ihnen sehr verbreiteteMeinung, welche in der klcinmüthigen, immer nur auf die Abwehr berechneten Strategieder kaiserlichen Feldherren eine gewisse Stütze fand, daß sie an Frankreich verkauft würden,um dessen Grenzen gegen feinduche Angriffe zu decken, während ihre Heimath einem un-erbittlichen Gegner schonungslos preisgegeben werde. Berücksichtigt man endlich noch, daß