wurde. Die auf die Dunkelheit berechnete Eskalade mußte infolge dieser Verspätigung,und da der Anmarsch von einer preußischen Husarenpatrouille bemerkt worden war, auf-gegeben werden, und der Angriff Carlsburg's richtete sich nun einfach auf das zunächst-gelegcne Stephansthor.
'Man fand dasselbe nur schwach besetzt, denn die Karabinicrs hatten schon Befehl er-halten, um l/-6Uhr nach Teuchern abzumarschieren und standen bereits auf dem Markteformiert; der General von Bandemer, und leider auch der Major von Katte mit 30000 ThalernKontributionsgeldern, waren schon vorausgegangen. Die Thorwache wurde leicht über-wältigt und zog sich feuernd nach dem Markt auf die dort aufgestellten Karabiniers zurück.Diese versuchten, durch das Wasserthor zu entweichen, fanden dieses aber schon von einersächsischen Abteilung besetzt und flohen nun im Galopp durch das Kalkthor, dessen sichOberstlieutenant von Gräven, der erhaltenen Instruktion entgegen, nicht versichert, sondernseine Reiterei, in 6 Trupps verteilt, in einigem Abstände von der Stadt auf der Höheüber Bose's Vorwerk aufgestellt hatte, wodurch den Preußen Gelegenheit gegeben wurde,sich jenseits des Thores zu formieren und mit Zügen in Marsch zu setzen. Aber schonfolgte ihnen die Infanterie auf dem Fuße und beschoß die abziehenden Karabiniers nichtblos mit Kleingewchrfcucr, sondern auch aus einem beim Schiehhause aufgestellten Geschütz.Während die Preußen sich nun den Berg hinauf, neben Bose's Vorwerk vorbei, mit großerBeschleunigung zurückzogen, wurden sie von der Kavallerie Grävcn's, bei welcher sich nebenden Baronay'schcn Husaren auch eine Kompagnie pfälzische Dragoner befanden, in derFlanke attaquiert und den Abhang nach der Elster hinabgeworfen, wobei der größte Teilderselben gefangen wurde, während von denjenigen, welche sich über den Fluß zu rettensuchten, mehrere ertranken. Eine preußische Eskadron, welche außerhalb der Stadt auf demDorfe gelegen hatte, eilte zur Unterstützung herbei, wurde jedoch von dem Otto'schen Korpsin Empfang genommen und mit einem Verlust von einem Rittmeister, einem Kornet undeinigen 50 Gemeinen an Gefangenen, aus dem Felde geschlagen.
Im ganzen verloren die Preußen bei dem Ueberfall von Zeitz 244 Mann an Ge-fangenen, unter welchen sich viele Osficierc — die beiden Obersten von Treskow und vonArnstädt, 5 Rittmeister, 2 Lieutenants, 5 Kornets und 1 Auditeur befanden; es konntenjedoch von diesen Gefangenen der Lieutenant von Arnstädt und 36 Mann wegen zu schwererVerwundung nicht mit forttransporticrt werden. Unter einigen 60 Todten, die der Feind aufder Wahlstatt zurückließ, befand sich der Major von Jtzenblitz und der Lieutenant Grau.Standarten wurden den Preußen 3 Stück abgenommen, doch ging eine derselben nochwährend des Gefechtes auf unerklärte Weise wieder verloren. Eine Pauke fiel in die Hände derpfälzischen Dragoner, deren Führer, Hauptmann von Uphöfen, sich sehr auszeichnete; auchdie sächsischen Lieutenants Fleck und Zschackwitz werden im Bericht lobend erwähnt.
Auf die Nachricht, daß der General Salomon von Naumburg her mit Infanterie imAnmärsche sei, wurde, nachdem man schon um 2 Uhr die Gefangenen und 240 Beutcpferdeabgeführt hatte, trotz der allgemeinen, nach so bedeutenden Anstrengungen und Aufregungeneingetretenen Erschöpfung, der Rückzug nach Gera wieder angetreten. Der diesseitigeVerlust war verhältnismäßig sehr gering; 10 Mann wurden vermißt, 4 Mann, einschließ-lich 1 Sachse, waren verwundet.
Den 19. hielten die Sachsen m Gera Rasttag, den 2V. trafen sie wieder in Neustadtein. Auch Oberstlieutcnant von Gräven führte sein Husarenregimcnt wieder nach Tannaund Mühltroff, Otto seine Jäger nach Saatfeld zurück. Das in Zeitz zurückgebliebeneHusarendetachcment muhte schon den 19. den Ort räumen, ohne die verwundeten Gefangenenmitnehmen zu können. Dies erfolgte vielmehr Tags darauf durch das Kommando einespreußischen Frcibataillons, welches an Repressalien es nicht fehlen ließ, und sogleich vonder Kammer 1000 Thaler und vom Rathe ebensoviel verlangte, auch mehrere Geißelnwegschleppte.
Die Expedition gegen Zeitz war eine kecke, gut durchgeführte Waffenthat, welche demObersten von Carlsburg zum höchsten Lobe gereicht. Wenn bei der allgemeinen Misereder österreichischen Kriegführung die Folgen dieses schönen Unternehmens sich für das Landnicht so günstig gestalteten, wie man zu hoffen berechtigt war, so wird dadurch das Ver-dienst Carlsburg's nicht beeinträchtigt, der sich später bei der Armee des Prinzen Xavernoch bei mehreren Gelegenheiten vorteilhaft auszeichnete. Er befehligte an der Stelle desim Juni 1760 zu Münden verstorbenen Obersten Kavanagh das Infanterieregiment desPrinzen Xaver, wurde 1767 Generalmajor und Kommandeur des Leib-Grenadier-Garde-Regiments, und erhielt 1775 ein eignes Regiment Carlsburg starb 1786 im 74. Lebens-jahre; 1768, bei der Stiftung des St. Heinrichordens durch den damaligen AdministratorPrinz Xaver, hatte er sich unter der Zahl der ersten Ritter befunden, welche am 11. Sep-tember in Pillnitz die neue Dekoration aus den Händen des Stifters empfingen.
Den Zweck, die Preußen einzuschüchtern und sich bei denselben in Respekt zu setzen,hatte das beherzte Unternehmen Carlsburg's allerdings nicht erreicht: für Zeitz waren dieFolgen sogar sehr nachteilig. Die Stadt wurde durch den General von Schenkendorf mit