Druckschrift 
Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

Zeit gegen ihn die Anklage erhoben,sich gegen die eingeschärften Landes- und Militär-gcsetze in fremde Wcrbcgeschäfte eingelassen zu haben." Er kam der bezüglichen Unter-suchung durch ein Abschiedsgesuch zuvor, welches vom Kurfürsten, nach einigem Zögern,unter dem 4. Mai 1772 bewilligt wurde, worauf Schill in preußische Dienste trat und biszum Oberstlieutcnant avancierte. Später erkaufte er ein Gut in Wilmsdorf, zwischen Dresdenund Dippoldiswalde, und lebte hier bis zu Anfang der 8V Jahre, stets von Schulden be-drängt und in Prozesse verwickelt. Im Jahre 1773 war er, wahrscheinlich unmittelbar vorseinem Eintritt in den preußischen Dienst, in den polnischen Adclstand aufgenommenworden. Von vier seiner Söhne, welche sämtlich der preußischen Armee angehörten, warder bekannte deutsche Patriot Ferdinand von Schill, geboren 1772 zu Gotthof bei Plessin Oberschlesien, der jüngste. Obgleich eine weit edlere Natur, als der Vater, erinnert derSohn doch, durch den gewaltigen Drang zum Kühnen und Abenteuerlichen, an seine Ab-kunft von dem Freischaarcnführer im 7 jährigen Kriege.

Minder günstige Erfolge in der Anwerbung eines Freikorps hatte ein Hauptmann vonGeusau, welcher, nachdem er über die Vorbereitungen viel Zeit verloren hatte, endlich imFrühjahr 1760 mit zwei Mann in hellgrauen Röcken mit grünen Kragen und Westen, alsdem Gesamtergebnis seines Geschäfts, zum mobilen Korps abging.

Die Klagen und Beschwerden über den Mangel an Unternehmungsgeist der Reichs-generäle, und ihr geringes Interesse für die Leiden der sächsischen Provinzen, ziehen sichals rother Faden durch fast sämtliche Berichte Eberstein's hindurch. Selbst wenn seineVorwürfe nicht in ihrem ganzenUmfange gerechtfertigt wären, und kühne Rathschläge demjenigen,der die Verantwortung für den Ausgang nicht zli tragen hat, vom unparteiischen Urteilnicht nach ihrem vollen Werthe angerechnet werden dürfen, so ersieht man doch im Ver-laufe der hier geschilderten Begebenheiten zur Genüge, daß im großen und ganzen Ängst-lichkeit, Eigennutz, kleinliche Rivalitäten, Judolenz, zaghafte Scheu vor Verantwortlichkeit,Mangel an Disciplin unter den höheren Anführern auch auf diesem Schauplatze des Kriegesauf feiten der kaiserlichen und Rcichstruppen, dagegen Energie, Beweglichkeit, Kühnheit,Straffheit in Erteilung und Ausführung des Befehls auf feiten des preußischen Heeres zusuchen sind.

Den ernsten und dringenden Vorstellungen des Obersten Carlsburg an den Feldmar-schall-Lieutenant Baron Luczinsky in Schleiz und Prinzen Stollberg in Lobcnstein, sowiean den Feldmarschall Grafen Scrbelloni in Bamberg, der für den in Wien abwesendenPfalzgrafen von Zwcibrücken den Oberbefehl über die Rcichsarmee übernommen hatte, wares endlich gelungen, wenigstens den Befehl zur Unternehmung einiger Streifzüge gegenZeitz, Erfurt und Weimar zu erwirken. Mit diesen Expeditionen wurde der k k. Lieute-nant Otto beauftragt, ein geschickter Partisan, welcher, aus Wcißenfcls gebürtig und vor-her Revierjägcr auf dem Gute des Generals von Rochow, das Geschäft der Errichtung einesFreikorps mit Glück betrieben und anfangs mit kaiserlicher Genehmigung 60 Berittene zu-sammengebracht hatte, welche sich nach und nach bis auf 300 vermehrten, und an die sichfreiwillige Husaren und Kroaten anschlössen. Otto avancierte noch innerhalb der Zeit, dieunsere Erzählung umfaßt, zum Major und stand lange in Unterhandlungen mit demsächsischen Hofe in Warschau, indem er sich bereit erklärte, noch während des Krieges odernach Beendigung desselben in die Dienste seines Vaterlandes zu treten, wenn man ihm mitseinem im kaiserlichen Heere erworbenen Range und Gehalt übernehmen wolle Manzeigte stch hierzu in Warschau geneigt; der Äbschluß des Vertrags kam jedoch nicht zurAusführung, und Otto blieb in kaiserlichen Diensten. In dem bayrischen Erbfolgckriege17-8 erhielt derselbe, nachdem er inzwischen nicht weiter, als bis zum Obcrstlicutenantausgerückt war, den Auftrag, von Böhmen aus die Grenzen des Erzgebirges und Voigt-landes zu beunruhigen, ein Geschäft, zu dem ihn seine im 7 jährigen Kriege erworbeneKenntnis dieser Gegenden sehr befähigt erscheinen ließ; bei der kurzen Dauer der Feind-seligkeiten hafte indessen die Otto'sche Diversion wenig Erfolg.

Dem Berichte Eberstein's vom 6 Februar ist eine ganze Beilage von Hiobsposten ausdem sächsischen Thüringen angeschlossen. Naumburg soll den Preußen 100000 Thalcrzahlen; der alte Kaufmann Schweizer und sein Schwiegersohn vr. Drechsler nebst zweiRathsherrcn sind als Geißeln fortgeschleppt worden. Nach Eckartsbcrge sind 70 Husarenund 30 Mann von einem Freibataillon als Exekution gekommen; der Bezirk muß, bis dasausgeschriebene Fouragequantum geliefert ist, täglich 100 Thaler zahlen. Die Stadt Zeitz,in der 7 preußische Kürassiere aufgehoben worden waren, muß für jeden Mann 100 ThalerStrafe erlegen. In Langensalza verlangen 33 Mann Preußen 50000 Thaler Kontribution,1500 Thaler Exekutionsgebühren und 9 Thalcr von jeder Hufe für Fourage,dabeiprügeln sie die Bürger wie die Hunde." Hcrrengoßastadt bei Langensalza ist rein ausge-plündert. Die Bestellung der Felder ist wegen Mangels an Vieh und Aussaat in vielenOrten unausführbar; das männliche Gesinde flüchtet sich aus Furcht, als Soldaten mitge-nommen zu werden. Aber auch angesehene Personen fliehen, um sich diesem Schicksal zuentziehen; erst kürzlich waren mehrere junge Studenten, darunter drei Edclleute, in Leipzig,