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1760 datiert ist. Das Sammlungswcrk stand hier im Augenblick nach unter dem Befehldes Obersten von Carlsburg, eines bewährten Stabsofficiers, welcher sich gleich von Hausaus um die Sammlung und Wiedervereinigung der nach der Lilienstciner Kapitulationeintreffenden Revcrtentcn große Verdienste erworben hatte. Zur Zeit befanden sich unterseinem Befehle in Saatfeld 362 Mann, dabei 89 unberittcne Kavalleristen, die von derArmee als augenblicklich nicht verwendbar, wieder zurückgeschickt worden waren Carlsburghatte für diese Leute in Suhl, dessen Fabriken monatlich 100 Stück ä. ö Thaler lieferten,Gewehre fertigen lassen, so daß sie nothdürftig bewaffnet worden waren. Die Anschaffungder Bekleidung und Ausrüstung machte bezüglich des Kostenpunktes große Schwierigkeiten,denn die thüringischen Steuerkassen, welche sächsischcrseits mit Anweisung versehen wordenwaren, ihre Bestände den mit dem Sammlungswerke beauftragten Officicren gegen Quittungauszuzahlen, waren teils wegen zu großer Nähe der feindlichen Vorposten unerreichbar,oder sie suchten sich der Ablieferung der Gelder unter allerhand Vorwänden zu entziehen.Das letztere geschah aus Furcht vor den Preußen, denn diese legten bei ihren überraschendenBesuchen zuerst die Hand auf die öffentlichen Kassen und ließen sich mit der Entschul-digung, daß die Steucrbeträge an die rechtmäßige Behörde eingeliefert seien, nicht abweisen,sondern machten die Steuerbcamtcn persönlich für Ersatz derselben verantwortlich. Da insolchen Kompetcnzfällcn der rücksichtslosere Teil seinen Forderungen mehr Nachdruck zugeben weiß, als der zaghaftere, wenn auch gesetzliche, so stießen die mit dergleichen Ein-kassierungen beauftragten sächsischen Kommandos aus große Schwierigkeiten, heut das alsrechtmäßige Forderung zu erlangen, was morgen einem schwachen Preußischen Husarentruppauf die erste Drohung bereitwillig gewährt ward, und es waren noch die bestgesinntenBeamten, welche, gegen Aushändigung ihrer Kassen, sich von ihren Landsleuten wenigstenseine schriftliche Bescheinigung ausstellen ließen, daß ihnen die Gelder nur mit Anwendungvon Gewalt abgenöthigt worden seien.
Auch feiten der kleinen thüringischen Staaten fand das Sammlungswerk wenig För-derung, und besonders das Herzogthum Weimar gab sehr sparsame Beweise freundnachbar-licher Gesinnungen, Eberstein berichtet im ersten Schreiben von einer eigcnthümlichenOaxtatio dsnsvolsntias, welche man der herzoglichen Regierung gegenüber, wie es scheint,nicht ohne Erfolg in Anwendung brachte. Während man bisher die am Sammelortc ein-treffenden weimar'schen Deserteure ohne Anstand angenommen und zur mobilen Armeegesendet hatte, lieferte man „einen kleinen wenig brauchbaren Kerl," der sich von diesemBeispiel hatte zur Desertion verleiten lassen, gegen die vertragsmäßigen Kartell- undAtzungsgebühren, an Weimar aus, worüber die Herzogin-Regcntin große Zufriedenheitbezeigte.
Ein Böhme, Johann Georg Schill, der bis vor kurzem beim kaiserlichen Fcldmarschall-Lientenant Baron Luczinsky als Volontair gedient hatte, und von diesem gut empfohlenwurde, hatte sich erboten, bis zum 1, März 100 deutsche Dragoncrpferde den Sachsen zuliefern, wenn er bei denselben den Rang und das Gehalt eines Kapitäns erhalten könne.Dieser junge, wie es scheint, bemittelte Mann war einer zener damals zahlreich auftauchendenUnternehmer — Gründer würde sie die Gegenwart nennen —, welche, einzelne aus Leiden-schaft für den Beruf eines Parteigängers, die weitaus meisten aber aus Spekulation, sichmit der Errichtung von Freikorps beschäftigten, Ebcrstein erfaßt Schill's Anerbieten mitWärme und empfiehlt dasselbe mit dem Hinweise, daß die Desertion sächsischer Landeskindcrvon der preußischen Kavallerie einen ganz anderen Umfang annehmen werde, als bisherder Fall gewesen, wenn man dieselben wieder beritten machen könne; denn die Aussicht zuFuß dienen zu müssen, halte viele von der Rückkehr zu den vaterländischen Fahnen zurück.Aber auch von der Verwendung einer kleinen Rciterabteilung beim Sammelwerke ver-spricht sich Eberstein viel, da durch eine solche die Selbstständigkeit des Dctachcment größer,und dasselbe zum Schutze der sächsischen Landcsteile besser befähigt werde, welcher jetzt vondem mehr oder minder°gutcn Willen der kaiserlichen und Reichsgcnerälc abhänge, die sichin dieser Richtung sehr lässig zeigten, so daß die thüring'schcn Lande den dreisten Unter-nehmungen von wenigen Hundert Husaren und Freiwilligen zur Beute anheimfallen,
Schill, dessen Anerbieten anfangs beim Prinzen Xaver wenig Anklang fand, wieder-holte dasselbe einige Monate später, indem er sich anheischig machte, im Falle seiner An-stellung, sogleich mit einer 40 Mann starken vollständig berittenen und ausgerüsteten Ab-teilung beim Heere einzutreffen. Er wurde noch im Jahre 1760 mit Licutcnantsrang an-gestellt, und avancierte später zum Rittmeister, Die Truppe, welche er organisierte, führteden Namen der Freihusarcn und verrichtete mit den französischen Volontaires d'Haynaultund de Flandre den Vorposten- und Avantgardendienst beim Xavcr'schen Korps, Nachdem Hubertusburger Frieden war eine der ersten Maßregeln des Administrators, dieMannschaft und die Pferde des Freikorps unter das Regiment Sacken-Chevauxlegers zuverteilen, Schill selbst erhielt eine Kompagnie beim Chevauxleger-Regiment Renard, scheintjedoch an dem einträglichen Werbegeschäft in Kriegszeitcn ein solches Vergnügen gesundenzu haben, daß er dasselbe auch im Frieden nicht ruhen lassen konnte, denn es wurde nach einiger