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wurden. Da die Preußen sich übrigens nicht blas mit der Einstellung der beimLilienstein gefangenen Mannschaft begnügten, sondern auch sofort nach der BesitzergreifungSachsens starke Rekrutcnaushebungcn anordneten, und mit diesem Geschäfte während derganzen Okkupation fortfuhren, unter den jungen, mit Gewalt in das Heer eingereihtenMännern aber eine ganz entschiedene Abneigung gegen den preußischen Dienst herrschte,so waren die Revertcntcn während der ganzen Dauer des Krieges eine unversiegbareQuelle des Ersatzes, und die Ausbeutung derselben für die vorliegenden militärischenZwecke wurde in ein formliches Epstein gebracht, welches man mit dem officicllcn Namen„Sammlungswerk" bezeichnete und der Leitung eines sehr gewandten und erfahrenenhöheren Officiers, des Generalmajors von Zeuzsch,*) unterstellte. Dieser hatte in dendem Kriegsschauplatze zunächst gelegenen Gegenden Stabsofficiere aufgestellt, welche inner-halb bestimmter Bezirke das Sammlungswcrk mit Hülfe der ihnen zugeteilten Officiereund Unterofficiere betrieben, die ihnen zulaufenden Revertenten bekleideten und mit Waffenund Ausrüstungsstücken versahen, und endlich, sobald eine gewisse Anzahl beisammen war, sieunter geeigneter Führung zur Armee des Prinzen Xaver absendeten Die Zahl sämt-licher beim Sammlungswerkc beschäftigter sächsischer Officiere belicf sich auf einige achtzig.
Je näher am Feinde das Sammlungswerk betrieben werden konnte, um so mehr Aus-sicht auf Erfolg hatte natürlich dasselbe, denn einerseits wurde dadurch die „Gefahr für dieLeute vermindert, andererseits war es von Wichtigkeit, daß sie gleich beim Ubertritte voneinem sächsischen Officier übernommen wurden, indem sie sonst häufig sich nach ihrerHeimath begaben oder zum Eintritt bei der ersten besten Truppe, der sie gerade in dieHände liefen, sich bereden liehen. Freilich wuchs mit der Nähe am Feinde aber auch dieGefahr für das Sammcldcpot selbst, überfallen und aufgehoben zu werden, und es bedurftegroßer, mit Kühnheit verbundener Vorsicht und Schlauheit, um sich immer zu rechter Zeitden umherschwärmenden Streifparteien der Preußen zu entziehen, ohne doch das Interessedes für die Armee so wichtigen Dienstes aus übergroßer Sorge für die eigene Sicherheitzu vernachlässigen.
Einer der wichtigsten Schauplätze für die Thätigkeit des Sammelwerks war Thüringen,wo die Preußen der kaiserlichen und der Reichsarmee gegenüber im ganzen Laufe desKrieges nie bleibend Fuß zu fassen vermochten und dessen geographische Lage das Ent-kommen der Revertenten sowohl, als die Möglichkeit, ihnen die Hand zu bieten, begünstigte.
Hier in Thüringen war der mit den Geschäften des Sammelwerkes beauftragte kom-mandierende Stabsofficier der königliche Major der Kavallerie Karl Friedrich von Ebersteinauf Gehofcn in der kursächsischen Grafschaft Mannsfcld, also selbst Grundbesitzer und Mit-glied der Kreisstände, Er entstammte einem alten angesehenen Geschlecht; drei seinerBrüder dienten damals mit ihm gleichzeitig im sächsischen Heere, und einer, welcher denRang eines Hauptmanns bekleidete, war ihm mit noch mehreren anderen Officiercn zurUnterstützung beigegeben.
Der Major von Eberstein erstattete über die in seinem Bezirke stattfindenden, auf dasSammelwerk bezughabendcn Ereignisse mittelst Stassetten in Zwischenräumen von etwaacht zu acht Tagen an den Kurprinzen Friedrich Christian ausführliche Berichte, welchelaufend numeriert sind und deren Klarheit und gesundes Urteil uns einen Blick nicht nurin den Betrieb seiner eigenen dienstlichen Geschäfte, sondern auch in die damalige militärischeund wirthschaftlichc Lage Thüringens in jener traurigen Epoche erschließen.
Der Verfasser glaubt, indem er den Inhalt dieser Berichte, welche den Zeitabschnittvom 26, Januar 1760 bis zum Ende des Krieges — leider freilich mit einigen Lücken —umfassen, auszugsweise in möglichstem Zusammenhange mitteilt, einen bescheidenen Beitragzur Geschichte seines engeren Vaterlandes Sachsen im 7jährigen Kriege zu liefern, erlaubtsich jedoch, bevor er hiezu übergeht, den Versuch, dem Leser in gedrängter Kürze ein Bildvon den bei den sächsischen Truppen obwaltenden Verhältnissen zu Anfang des Jahres 1760zu entwerfen.
Die, wie bereits erwähnt, nach der Gefangennahme im Oktober 1756 allmählich inUngarn wieder ncugebildete Armee war, nachdem sie durch die den 1, April 1758 abge-schlossene Konvention in französischen Sold übernommen worden war, zunächst im Julinach dem Elsaß und von da nach Westphalcn zum Korps des General-Lieutenants Grafenvon Chevert geschickt worden, wo der Prinz Xaver bei Unna am 4, September sich beiderselben eingefunden hatte.
Nur vier sächsische Kavallerieregimenter — Karabiniersgarde, und die Chcvleg,-Regi-menter Prinz Karl (jetzt 1, Husarcnrcgiment Nr, 18), Prinz Albrecht und Brühl —, welchesich beim Ausbruche des Krieges noch in Polen befanden, entgingen dadurch dem Schick-sale ihrer schwergeprüften Waffenbrüder am Lilicnstein, Unter Anführung des General-majors Grafen Nostitz stießen diese Regimenter zur kaiserlichen Armee, wo sie, dem Korpsdes Generals Nadasdp beigegeben, am 18, Juni 1757 in entscheidender Weise zum Siege
") Zeuzjch wurde nach dem Kriege 1764 als Generallieutenant Vicepräsident des Geheimen Kriegsraths-kollegiums und starb auf diesem Posten 1771.