gelegenheiten zu berathen. Da die Berufung eines Reichstags aber nicht in derBefugnis des Regimentes lag, so erstattete es Bericht an den Kaiser mit demErsuchen, baldmöglichst einen anderen Reichstag anzusetzen- Der Kaiser ging aufdiesen Antrag ein und bestimmte sofort die Fürsten, welche auf dem auszu-schreibenden Reichstage seine Stelle als Kommissaren vertreten sollen, da er selbstdie Rückkehr nach Deutschland noch nicht ermöglichen zu können erklärte Diekaiserl. Vollmacht für diese Kommissäre ist vom I. Aug- 1523 aus Valadoliddatiert und bezeichnet als Berathungsgegenstände für den Reichstag u- a. denWiderstand gegen die Türken, die „Jrrsale unseres heiligen christlichen Glaubensund den Unterhalt des Regiments und Kammergerichts." Als Vertreter desKaisers beim Reichstage wird in jener Vollmacht auch sein Bruder König Ferdi-nand bestimmt, als Eröffnungstag des Reichstages der 3. Febr. 1529 und alsOrt desselben Speier festgesetzt.
Trotz der in dem Ausschreiben enthaltenen ernsten Ermahnung zu rechtzeitigem Erscheinen fehlte doch viel dazu, daß der Reichstag an dem be-stimmten Tage hätte eröffnet werden können. Erst 22 Tage nach dem bestimmtenTermine kam es zur Eröffnung des Reichstages- Der erste von allen in Spei ereinziehenden Fürsten war König Ferdinand Es war demselben sehr darum zuthun, daß die Fürsten möglichst vollzählig und frühzeitig in eigener Person inSpeier erschienen- Er wendete sich deshalb von Jnsbruck aus, wo er am6- Januar 1529 angekommen war, teils schriftlich, teils durch besondere Abge-sandte an eine Reihe von Fürsten und wies darauf hin, daß er, obwohl seineAnwesenheit in seinen Landen jetzt dringend geboten wäre, sich dennoch unterHintansetzung der Bedürfnisse seiner Erblande in seine oberösterreichischen Länderbegeben habe, um an dem bestimmten Termine zur Eröffnung des Reichstagsin Speier zu erscheinen- Mit Berufung darauf richtete er dann an jene Fürstendas dringende Begehren, doch ebenfalls zu rechter Zeit und in Person den Reichs-tag zu besuchen.
Solche Zuschriften des Königs ergingen, alle aus Jnsbruck vom 13. Jauuardatiert, an den Bischof von Würzburg und an die Pfalzgrafen Otto Heinrichund Philipp von Neuburg, sowie an Pfalzgraf Ernst, Bischof von Passau-Vom gleichen Tage ist die Instruktion an Ferdinands Rath Graf Hoher zuMansfeld, welcher im Auftrage des Königs mit demselben Anbringen zudem Kurfürsten von Sachsen kommen sollte/ Derselbe entledigte sichdieses Auftrages jedoch nicht persönlich, sondern durch Philipp bvn Eben-stem aus Gestosen, welcher erst am 19. Febr., zwei Tage vor dem be-stimmten Eröffnungstermine, in Weimar eintraf-
Vgl- Geschichte des Reichstages zu Spcicr i- I- 1529 von I- Ney in den Mitteilungendes histor- Vereins der Pfalz VIII- 44-
Joh- Joach. Müller, gewesener Archivar in Weimar, hat zuerst die Ge-schichte der großen Reichsversammlung, welcher die protestantische Kirche ihrenNamen verdankt, in seiner 1705 zu Jena erschienenen Historie von der evan-gelischen Stände Protestation und Appellation ausführlich dargestellt- AufSeite 443 ff- ist die Instruktion für den Grafen von Mansfeld und Antwortdes Kurfürsten von Sachsen abgedruckt:
Seite 451- „Auf diese des kaiserl- obersten Statthalters Instruktion (welcherzwar der Graf von Mansfeld nicht selbst Folge geleistet, sondern durch Pstilipstcnvon Eberstein verrichten lassen) erbot sich nun der Kurfürst zur persönlichen Er-scheinung, wie solches aus folgender Resolution erhellt
Auf des Edelen :c Hoher Graven w. zu Mansfeld w- Geschickten,Philipsten von Eberstein, Antragen und Werben, auch Überantwortung König-