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Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
99
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schlimmer». Unter diesen Umständen hielt man es auf beiden Seiten für dasZweckmäßigste, die definitive Entscheidung über die Glaubensangelegenheiten zuverschieben. Demgemäß wurde in dem am 27, August 1526 publicierten Reichs-tagsabschiede mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, eine Gesandtschaft an den Kaiserzn senden und denselben zu bitten, baldmöglichst in eigener Person nach Deutsch-land zu kommen und dafür Sorge zu tragen, daß binnen höchstens anderthalbJahren zur Beilegung der Glaubensstreitigkeiten ein freies allgemeines Konziloder mindestens eine Nationalversammlung in deutschen Landen gehalten werde.

Die Stellung des Kaisers zu dem Papste war mittlerweile wieder einebessere geworden und eben damit nahm die von 1526 bis 1523 durch denKaiser in Deutschland beobachtete größere Zurückhaltung in den religiösen Fragenein Ende. Karl V. war der Sache der Reformation zu keiner Zeit zugethangewesen. Durch die von Clemens VII. in Italien beobachtete feindliche Politikhatte er gezwungen werden können, seine Waffen gegen den Papst zu wenden.Ja, die deutschen Landsknechte hatten unter Georg von Frundsberg am 6, Mai 1527Rom erstürmt und den Papst in der Engelsburg eingeschlossen,*! Aber wenndies auch den Kaiser von entschiedenen Maßregeln gegen die Anhänger Luthersin Deutschland abhielt, so änderte es doch an seiner religiösen Gesinnung nichts.Als die politischen Verhältnisse darin dem Kaiser den Wunsch nahe legten, mitdem Papste Frieden zu schließen, damit er seinen übrigen Feinden in Italien,besonders dem Könige Franz von Frankreich, um so energischer zu begegnen ver-möge und auch endlich von dem Papste als Kaiser gekrönt werde, da war esgewiß die geringste Schwierigkeit bei den Verhandlungen, den Kaiser zum Ver-sprechen energischerer Maßnahmen gegen die Reformation Luthers zu bestimmen.Im Laufe des Jahres 1523 schloffen sich nun Kaiser und Papst wieder engeraneinander an und errichteten einen förmlichen Friedensvertrag nach dem Schlüssedes Speircr Reichstags am 29, Juni 1529 zu Barcelona. Der Kaiser wardarum schon längere Zeit vor dem Reichstage zu Speier entschlossen, das voll-ständig durchzuführen, wozu der Friede von Barcelona ihn bald nach demselbenförmlich verpflichtete, mit seinem Bruder Ferdinand alle mögliche Mühe anzu-wenden, um die Gemüther der Irrenden zur wahren christlichen Religion zurück-zuführen.

Schon i. I. 1525 hielten sowohl Kaiser Karl als sein Bruder eine WahlFerdinands zum römischen Könige für erwünscht Da aber Karl, wie er am29. Nov. 1526 seinem Bruder schrieb, es für unerläßlich erachtete, daß vor derWahl eines römischen Königs er selbst zum Kaiser gekrönt sei, weil nichtgleichzeitig zwei r ömische Könige sein könnten, so unterblieben weitere förm-liche Verhandlungen, so lange das Zerwürfnis von Kaiser und Papst eine baldigeKrönung Karl 's nicht erwarten ließ.

Kaiser Karl V,, welcher seit dem Wormser Reichstage von Deutschland ab-wesend war, hatte in dieser Zeit die Regierung des Reiches nur durch nachDeutschland gesendete Mandate ic, führen können. Die unmittelbare Führung derReichsregierung war dem Reichsregimente oder Reichsrathe anvertraut,dessen Znsammensetzung und Kompetenz in der am 26, Mai 1521 zu Wormsaufgezeichneten Regimentsordnung genau bestimmt war, Seit 1527 hatte das-selbe seinen Sitz in Speier. Das Regiment erklärte es für nothwendig, daß inBälde ein Reichstag gehalten werde, um über eine Reihe wichtiger Reichsan-

*) In der von de? Königs Franz Obersten Latrecht belagerten Stadt Alessandriabei Mailand befand sich Maximilian v.Ebcrstein,ein freudiger Landskncchts-Haupt-mann und Kaiser Karln Obersten einer" mit 869 Knechten, Eberstein machte einenAussall, ließ den Feinden die Schanzkörbe zerhauen, ihre Schildwachcn gefangen nehmenund niedermachen sv, E,, Gesch. 272 dir, 159),

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