Druckschrift 
Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

Mutter, Albrecht's Witwe, Anna und ihren Sohn Joachim, Elsen, vermählteGräfin von Württemberg, und Annen, ihre beiden Töchter, zu gleicher gerngesehener Heimsuchung zu bitten.

Sonntag am 14. Februar um Mittag langte Friedrich mit seiner Ge-mahlin und seinen Söhnen zu Nürnberg an; wenige Stunden nachher seineMutter und Geschwister in Begleitung einer Gräfin von Henneberg. Ihnenfolgte eine große Anzahl Grafen und Ritter. Ein ritterlicher Fackeltanz auf demgroßen Saale des Rathhanses versammelte Abends alle vornehmen Gäste mitihrem Gefolge. Am folgenden Tage besah Friedrich mit seiner Familie undseinem Hofe die berühmten Heiligthümer des Reichs. In der Kirche des neuenSpitals, wo sie aufbewahrt werden, war die Priesterschaft versammelt. Verschie-dene Mitglieder des Raths genossen die Ehre, zu des Markgrafen Friedrichdes Mittags gegebenen Tafel gezogen zu werden. Nachdem Fürstin Anna auchbei einer Abendtafel ihre Wirte bewirtet hatte, wurde der Abend abermals aufdem Rathhanse in fröhlichem Fackeltanze hingebracht.

Kaum brach der zur höchsten Ergötzlichkeit bestimmte Dienstag, es war der16. Febr., an, so wurde der Markt zum heutigen Turniere zugerichtet. DerMittag war vorüber, da erschien Friedrich mit neun seiner Ritter in vollerRüstung auf der Bahn, auf deren andern Seite Dietrich von Harras mit9 Edlen von Nürnberg im Harnisch. Mit Anbruch der Nacht ward das ritter-liche Turnier geendigt. In feierlichem Zuge eilten sämtliche Ritter auf dengroßen Saal des Rathhauses und mit fröhlichen Tänzen wurde auch dieser Abendhingebracht. Am Donnerstag schieden die Fremdlinge alle und kehrten nach ihrerHeimath fröhlich und zufrieden zurück.

Item sind mit Frawen Anne Marggraff Albrecht's löblicher gedechtniß gemahelEingeriten die hernach geschrieben:

Marggraf Joachim auf der Marck; Erkhing von saynßheim, Ritter, Hoff-meister; Veyt von Lentersheym, Ritter; Friedrich von Rawhneck, Thumher; Jörgvon Ehrnheym (wohl Ehenheim?); Hanß Trnchseß; kharl von Heßbergk; liharlvon Eberfiain; khilian von senshain; Jheronimus von Rinhofer; Hans vonseckendorff; Hans Renwart; Jacob Morder von yphsam.

Journal von und für Franken, B. I. S. 636.

Philipp v. Elmstein aus Gehofen, 1529.

S. 673.

Auf dem 1526 zu Speier gehaltenen Reichstage war ein einstimmiger Be-schluß in Sachen der Religion zu stände gekommen. Kaiser Karl V., seitJahren von Deutschland abwesend, hatte zwar durch seinen einzigen Bruderund Statthalter im Reiche, den Erzherzog Ferdinand (geb. 1503, König vonBöhmen und Ungarn seit 1527, röm. König 1531, Kaiser 1553, 's 1564) dasentschiedene Verlangen gestellt, daß die Stände des Reiches von dem alten Her-kommen in Kirchenlehre und Gebräuchen in keiner Weise abwichen. Namentlichbegehrte er die strenge Durchführung des Wormser Edikts, welches Luther undseine Anhänger mit der Acht belegte und seine Lehre verbot. Aber die evan-gelischen Fürsten und Stände ließen sich auf einen derartigen Beschluß nicht ein.Zudem war das Verhältnis des Kaisers zu dem Papste durch die von letzteremdem Gegner Karl's, König Franz I. von Frankreich, gewährte Unterstützung er-heblich geändert worden und es schien dem Kaiser nicht mehr gerathen, sein Ver-hältnis zu den der Reformation geneigten Fürsten Deutschlands noch zu ver-