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Folge 4 (1883)
Entstehung
Seite
89
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Im Lager zu Roth hatten unter Teilnahme des Bischofs Peter 0on Augsburg bereitsanfangs Juni Friedensverhandlungen begonnen; sie kamen aber erst am 24. Juni durchdie Drohung des Herzogs Wilhelm von Sachsen, das markgräflichc Lager mit seinenTruppen zu verlassen, zum Abschlüsse.Befreiung der daher Unterthanen vom kaiser-lichen Landgerichte, Nichtigkeitserklärung des blinden Spruchs, die Herausgabe der vonBayern eroberten Besitzungen Roth, Stauf, Landeck und Schönberg" sollten die Punktesein, über welche die Bischöfe von Bamberg und Wiirzburg, der Herzog Wilhelmvon Sachsen und König Georg von Böhmen in Rüriwerg zu entscheiden hätten. Am25. zogen die Sachsen und wahrscheinlich auch die Württemberg er aus dem mark-gräflichen Lager ab.

Wie gering der Wille des Markgrafen war, die ihm durch den Rothcr Vertrag auf-erlegten Verbindlichkeiten zu erfüllen, beweist, daß er bereits am 4. Aug. mit HerzogLudwig von Veldenz und dem Grafen Ulrich von Württemberg eine neue Verbindungzur Aufrechterhaltung des blinden Spruches einging. Auch Herzog Ludwig erkannte, daßdie Nürnberger Entscheidung nicht znm Frieden führen würde, nnd schloß am 8. Okt. 1460mit dem Könige von Böhmen einen Vertrag, welcher ihm dessen Unterstützung sicherte.Bedeutsamer noch als diese Kriegshülfe waren für die Stellung des Herzogs gegenüberdem Kaiser die Erklärungen:Der Kaiser sei sorglos in Ausrcchtcrhaltung der Ehre undWürde des heiligen römischen Reichs, und Herzog Ludwig habe sich verbindlich gemacht,bei den andern Ständen dahin zu wirken, daß dem Reiche durch Erwählung GeorgPodiebrads, der ja deutscher Reichssürst sei, zum römischen Könige ein kraftvollHaupt gegeben werde." Die Idee fand im Reiche Anklang, am 16. Nov. trat der Kursürstvon der Pfalz, am 3. Dcc. der Erzbischof von Mainz diesem Bestreben bei. MarkgrafAlbrccht setzte den Kaiser von diesen Schritten in Kenntnis und fügte noch die Warnungbei, daß der Böhmcnkönia, Herzog Albrccht von Österreich, Herzog Ludwig vonBayern und der Bischof von Würz bürg noch vor Pfingsten den Kaiser im Lande unterder Enns angreisen wollten. Herzog Ludwig schickte in das Lager des Herzogs Albrechtvon Österreich, der mit seinem Bruder, den Kaiser kriegte, 2000 Mann Hülsstruppen. DerFeldzug gegen Kaiser Friedrich begann Ende Juni 1461 mit der Belagerung von Jps.Der in Wien bedrohte Kaiser forderte am 16. Juli die Markgrafen Alb recht von Branden-burg, Karl von Baden und den Grafen Ulrich von Württemberg auf, den Herzogvon' Bayern anzugreifen und ihn so an dem Zuge nach Österreich' zu hindern. Am18. Juli erfolgte die Erklärung des Reichskrieges gegen Herzog Ludwig. Als Gründewurden angegeben: Unterstützung Herzog Albrechts von Österreich, der vorjährige Krieggegen den Bischof von Eichstädt und den Markgrafen Albrccht. Der Kriegserklärungfolgte die Aufstellung eines Reichshecrcs unter den Befehlen der Markgrafen von Branden-burg und Baden und des Grafen Ulrich von Württemberg. Das Reichsheer sollteam 24. Aug. versammelt sein. Der Markgraf Albrecht, der den Kaiser zu diesem Ent-schlüsse bewogen hatte, berief für den 25. Juli seine Unterthanen nach Neustadt an derAisch, der Herzog von Sachsen nach Hof, Plauen und Schaumburg nach Fcuchtwaugen.Er glaubte über 20000 Mann verfügen zu können.

Aber auch in Bayern bot man alle Kräfte zum Kriege auf. Am 18. Aug. über-schritten bei Cham 8000 Böhmen die bayerische Grenze. Die vereinigten würzburgischcnund bambergischen Truppen richteten ihren Marsch auf Altdorf, wo Herzog Ludwigam 27. Aug angekommen war H Ludwigs Heer zählte 1660 Reiter, 25000 Fußknechteund 2500 Wagen. Nun erklärte >4. Sept.) auch die Pfalz, wie bereits Würzburg undBamberg am 31. Aug. und Böhmen am 1 Sept. gethan hatten, dem Markgrasen denKrieg. Da der Bischof von Würzburg sich an den Herzog von Bayern angeschlossenhatte, so widerrief der Kaiser das demselben verlieheneLandgericht des Herzogthums zuFranken!"

Der König von Böhmen belegte mit Heeresmacht Wunsiedel, der Pfalz grasund Bamberg die Neustadt, Hoheneck und Dachsbach, und Würzburg Ufsen-heim und herrschten in Markgraf Albrecht's Fürstenthumc nach ihrem Gefallen. Am4. Sept. 1461 nämlich zog Herzog Ludwig mit dem Heere vor Nuestadt an der Aisch,welches sich nach 15tägiger Gegenwehr ergab. Bald darauf wurde auch Langenzenn ge-nommen. Von Westen her drang, dem Wunsche H. Ludwigs entsprechend, der Kurfürstvon der Pfalz mit 700 Reitern bei Ochsenfurt in das Gebiet des Markgrafen ein.Die eroberten Orte übergab er den Würzburgern, um sie zu besetzen. Am 22. Sept. er-schien er vor Uffcnheim, welches sich ohne Schwertstreich ergab. Bei Neustadt ver-einigten sich die Pfälzer mit dem herzoglichen Heere und zogen mit diesem, das nun16000 Mann, 2000 reisige Pferde und 1500 Wagen zählte, vor das Schloß Hoheneck,welches sich, da in den erbetenen drei Tagen keine Entsatztruppen erschienen, dem Herzogeergab. Sieben Städte und 15 Schlösser fielen schnell in die Hände der Verbündeten. Nachdem von Lorenz von Ebcrstcin dem Markgrafen erstatteten Berichte war HerzogLudwig am 17. Sept. den Zcnngrund hinauf, dann über Bcrgel und Bernheim herabge-