SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF.
Eide in Gegenwart des Grafen von Zinzendorf in die Händedes Hoch- und Deutschmeisters ab, den ersten wegen der imJahre 1789 vollzogenen Inkorporation der ßallei Franken in dasHochmeisterthum, den zweiten als Coadjutor der ßallei Franken.In dem Provinzialkapitel der ßallei Sachsen, welches in demdeutschen Hause zu Wien, jedoch ohne die Gegenwart desLandkomturs im December versammelt worden, wurde durchEinmüthigkeit der Stimmen der Komtur von Burow undAdministrator der Bailei, Freiherr von Münchhausen, zumStatthalter der erledigten Bailei Sachsen dem Hoch- und Deutsch-meister vorgeschlagen und von demselben auch in dieser Eigen-schaft bestätigt.
Mit dem Schlüsse des Jahres i8o3 bricht die Selbstbiographiedes Grafen Karl von Zinzendorf ab. Obwohl die vorhandenenTagebücher desselben, welche gegenwärtig im k. k. Haus-, Hof-und Staats-Archive aufbewahrt werden, bis zu seinem Todestage,5. Januar 181 3, reichen, so glaubte der Herausgeber doch nichtaus selben die Autobiographie fortsetzen und abschliessen zusollen. Denn erstens enthalten diese überaus klein und schwerleserlich geschriebenen Tagebücher unter einer Masse vonganz unerheblichen Aufzeichnungen nur hie und da sparsamverstreut bemerkenswerthe Notizen, die zumeist schon bekanntsind, und zweitens besteht ja das Hauptinteresse dieser Bio-graphien in dem, dass sie von den beiden Grafen selbst verfasstund niedergeschrieben wurden, welchen Hauptgewichtes einejede auch noch so sorgfältige und genau auf die Intentionendes Autobiographen eingehende Fortsetzung durch einen Andernunbedingt entbehren müsste.
Doch dürfte schon die vorstehende, unvollendete Auto-biographie genügen, um die hervorragenden Eigenschaftendieses trefflichen Mannes: Gemeinnützigkeit, Wohlwollen,Stetigkeit, Edelmuth, Uneigennützigkeit, anhaltendes Bestreben,sein Leben und Kräfte zu edlen Zwecken zu verwenden, kennenund schätzen zu lernen. In ihm bewährte sich die Erfahrung,welche uns die Geschichte lehrt, dass häufig im letzten Sprosseneines alten Hauses die hervorragenden Tugenden seines Ge-schlechtes sich vereinigen, um, wie die Flamme, vor ihrem