I 52 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF.
Den 3o. Mai verliess der Graf nebst seiner Gemalin Wien,um nach Spaa zu reisen und den dortigen Gesundbrunnen zurHerstellung seiner Gesundheit zu brauchen, ward aber zu Wassser-burg aufs Neue unpässlich und kam am 10. Juni nach Wienzurück.
Am 3o. Juni bezog er das Schloss zu St. Veit, dessenschönsten Stock ihm Ihre Majestät die Kaiserin zur Wohnungüberlassen hatten.
Im Anfang des August befand sich der Graf ausserordentlichwohl, am 12. kam der Husten wieder.
Im September war er entschlossen, sich zu Görz zu eta-bliren, was aber bald wieder rückgängig ward; am 18. kam ervon St. Veit wiederum in die Stadt.
Neuer Tabakspacht um 1 ,600.000 fl.
Im Februar 1776 hatte der Graf einen Ausschlag an derHand, der nachher sich in das Gesicht verbreitete.
Dr. Mittelhäuser zu Dresden erklärte am 9. April denUrsprung der Krankheit für eine Anhäufung von Geblüt in derArteria coeliaca, die mit Milz und Galle in Verbindung steht.In der Milz, der Galle und dem Pancreas sei eine Gährung,welche die erstaunliche Menge Schleim verursache. Die Mer-curialmittel haben diesen Schleim aufgelöst, ohne dessen Ur-sache zu heben.
Im Juni 1776 bezog der Graf wiederum die ihm vonIhrer Majestät der Kaiserin - Königin Maria Theresia verlieheneWohnung zu St. Veit.
Man gab ihm eine Ptisane von Spiessglanz.
Am 6. August schrieb er seinem Bruder Grafen Karl nachTriest mit den Gesinnungen der zärtlichstem Freundschaft,nahm von ihm wegen seiner bevorstehenden Reise Abschied,versicherte ihm, die aufrichtigste Liebe zu ihm mit sich in'sGrab zu nehmen, und meldete ihm zugleich, dass Ihre Majestäteine Bittschrift, in welcher er allerhöchstdieselbe gebeten, imFall Graf Karl den Deutschen Orden verlassen und sich ver-mählen sollte, seiner Gemalin 4000 fl. Witwenunterhalt, solange seine Schwägerin, deren Witwenunterhalt auf Enzesfeldversichert ist, lebt, zuzusichern, mit allergnädigstem Placet be-zeichnet hätten. Zugleich meldete er seinem Bruder, er habe ihm