SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF. 6 I
Vaters Stiefbruder, dem Bischof der mährischen Brüder, GrafenNikolaus Ludwig, Bekanntschaft gemacht, der ihm in zwei Briefenseine eigene Moral und Religion auseinandersetzte. Unterwegs hatteGraf Ludwig das Glück zu Dresden seine und seines Bruders, desGrafen Max vonZinzendorfZwistigkeiten mit dem Vater über beiderBrüder mütterliches Vermögen durch einen Recess vom 9. Juli1753 zu beendigen. Diesem Recess zu Folge sollte Graf Ludwigdie seinem Vater gehörige in Niederösterreich, ohnweit St. Pöltenim Viertel Ober-Wienerwald gelegenen Fideicommiss-Herr-schaften Karlstetten und Wasserburg in Pacht nehmen, demGrafen von Kornfail die jährlichen Interessen eines auf die Herr-schaften verhypothecirten Kapitals von 3o.ooo iL entrichten,und über den Rest bis nach Ablauf des Pachtes von den Ein-künften dem Vater genaue Rechnung legen. Dieser verband sichdagegen, vom Jahre 1759 angefangen alle Jahre 1000 fi. vondem Kapital abzustossen.
Unter dem 21. August 1753 schrieb der nachmalige B.Oe. Vice-Kanzler Gebler aus Berlin, wo er des Grafen ReussSecretär war, an den Grafen, und trug ihm seine Dienste an.
Bald nach der Rückkunft zu Wien ward Graf Ludwigam i.August 1753 im 32. Jahre seines Alter zum wirklichen Hof-rathe bei dem Directorium in publicis et cameralibus ernannt,und ihm in dem von dem Grafen Johann von Chotek unter-schriebenen Decret eine jährliche Besoldung von 2000 fl. an-gewiesen.
Durch ein anderweitiges Decret des Grafen Rudolf vonChotek ward ihm noch eine Hofraths-Bedienstung bei dem Com-mercien-Directorium verliehen. In der letzten Eigenschalt wohnteer auch der sogenannten subdelegirten Kommercien - Hofcom-mission unter dem Vorsitze des Grafen von Stella bei, und be-sorgte bei derselben das Woll- und Leinen-Departement. Die infremden Landen erworbenen Kenntnisse im Kreditwesen undsein angenehmer Vortrag machten ihn beim Kaisar Franz be-liebt, die ersten zogen ihm bald die Abneigung seines Präsi-denten, des Grafen Rudolf von Chotek zu. Die vorerwähntenReisen hatten den Grafen genöthigt, 1 2.000 fl. Schulden zu machen.
Im Jahre 1754 hielt der Graf von Zinzendorf nach demTode des Grafen von Hartig um ein Hofquartier an. Die Hof-