Druckschrift 
Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

KURZE GESCHICHTE DES HAUSES ZINZENDORE.

Ungeachtet seiner eingezogenen uud äusserst mässigenLebensart zog ihm sein zarter und schwacher Körperbau beiseiner ungemeinen Anstrengung in Geschäften manche zeitweiseUnpässlicbkeiten zu, welche er am härtesten an den Augenfühlte.

Seit seinen Jugendjahren bis zum letzten Lebenstage führteer ununterbrochen ein in 60 Octav-Bänden vorhandenes Tage-buch über seine Erlebnisse, Handlungen und Gedanken. Ineinem anderen zeichnete er die merkwürdigsten Zeit-Ereignissemit grösster Sorgfalt auf. Ueberdies sammelte er mit ausser-ordentlichem Forschungsgeiste und echter Sachkenntniss in dreiFolio-Bänden zahlreiche Urkunden, welche über die Geschichteseiner uralten Familie helles Licht verbreiten. Alle diese lehrreichenWerke vermachte der Graf seinem mit kaiserlicher Genehmigungzum Erben und Namensträger erklärten Grossneffen, dem GrafenHeinrich August von Baudissin, drittem Sohne des damaligenköniglich dänischen Garde-Capitäns.

Seine aus mehreren tausend Bänden, von allen Fächern derWissenschaften, bestehende Büchersammlung hielt. er in einerbewunderungswürdigen Ordnung und vermachte dieselbe sammteiner sehr schönen Landkarten-Sammlung der Deutsch-Ordens-Ballei Oesterreich.

Eine andere schätzbare, in 116 Folio-Bänden enthalteneSammlung aller während seiner fünfzigjährigen Dienst-Laufbahnin den verschiedenen Fächern der öffentlichen Staatsverwaltunggelieferten Ausarbeitungen, sammt den bereits erwähnten Reise-berichten, bestimmte er als ein Vermächtniss für die k. k.Hofbibliothek.

Der letzte Wille des Grafen ist so, wie er es selbst währendseines ganzen thätigen Lebens war, ein Muster von Biedersinn,Menschenliebe, Wohlthätigkeit, Edelmuth und Dankgefühl.

Sein Tod war schnell, ruhig und sanft.

Sein Leichnam wurde auf der Familienherrschaft Karl-stetten im Viertel Ober-Wienerwald zur Erde bestattet.

Seine Verwandten, seine Freunde, alle seine Bekanntenund Untergebenen betrauerten den Verblichenen mit innigsterWehmuth. Seine Unterthanen, sowie seine Hausgenossen be-weinten ihn wie ihren Vater.