EINLEITUNG. 7
„ermüdeten Fleiss, an lobwürdige Verwendung ihrer Tage. Fast„allen hing eine ungeheure Schüchternheit an (um so mehr„als auch der Flerr Vater diesen Naturfehler hatte) und blieb„ihre lästige Begleiterin durch das ganze Leben. Bey jenen unter„ihnen, denen ohnedies Flang zum Nachdenken angeboren war,„nahm diese Neigung der ernsthaften Erziehung wegen fast zu„sehr überhand, um ihnen in der grossen Welt ihren Gang„nicht mühsam und beschwerlich zu machen, um ihre Lehr-jahre in der Weltkenntniss nicht ungemein zu verlängern. Bey„einer grossen Anzahl Kinder, eines jeden Charakter studiren,„und die Erziehung nach diesen Schattirungen abmessen ist„schwer, vielleicht unmöglich, jedoch weniger für Eltern, die„auf dem Lande leben, wenn sie gleich kein grosses Vermögen„besizen. Nur sollte man Kinder ebenso sorgfältig für Stolz„und Einbildung von sich selbst, als durch Herabsezung ver-,,anlaste Muthlosigkeit und Mistrauen in ihre Talente und Geistes-„vermögen verwahren, wodurch nur dem Neid, einer der un-glücklichsten Leidenschaften, das Daseyn gegeben wird. Es„sind aber der Frau Gräfin ihre sämmtlichen Kinder für die an„sie verwandte Treue den zärtlichsten Dank schuldig."
Ferner noch die Biographie eines älteren Bruders desGrafen Karl, Friedrich August's Grafen und Herrn von Zinzen-dorf und Pottendorf (geboren 3. August 1733, gestorben 16. März1804), dessen Lebensgeschichte manches Denkwürdige bietet.Er stand als Militär und Diplomat in kursächsischen Diensten,in welch' letzterer Eigenschaft er durch neun Jahre (1768bis 1777) am königlichen Hofe von Schweden und durch mehrals 22 Jahre (1777 bis 1798) an dem zu Berlin während derRegierung Friedrich's IL, Friedrich Wilhelm's II. und III. als Ge-sandter wirkte. Während seiner diplomatischen Carriere hat erjedoch keineswegs die militärische aufgegeben und war in dieserim Jahre 1790 bis zum General-Lieutenant vorgerückt. 1799wurde er unter gleichzeitiger Ernennung zum General der