Druckschrift 
Geschichte des Hauses Stolberg vom Jahre 1210 bis zum Jahre 1511
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Ionvort des Kerausgeöers.

^Ls muß ohne alle Frage als eine der schönsten Pflichten, als eine ernstefür den Sprossen eines durch Alterthum, hohen Rang, Umfang des Besitzesund Glanz der Ahnen hervorragenden Geschlechts gelten, der Geschichte seinerVorfahrei, kundig zn sein, seine Anfänge und Entwickelung zu verfolgen,seine Bedeutung für die engere Heimath und für weitere Staatsgebiete zu er-forschen, sich über den Besitz und die Rechte seines Hauses zu unterrichten.Durchdrungen von diesem Gebot der Pietät und Ehre und glücklich ausgestattetmit einem für alles Schöne und Große, was die Geschichte nach allen Rich-tungen darbietet, empfänglichen Sinn, war es Graf Botho zu Stolberg, demes beschieden war, der gründlichste Erforscher und Kenner der Vorzeit seinesHauses, zugleich aber auch der erste Geschichtsschreiber desselben, der Schöpfereines Werkes zu sein, das jetzt der Oeffentlichkeit übergeben wird. Denn wenigedle Geschlechter von der politischen Stellung der Grafen zu Stolberg giebt es,welche die Ungunst erfahren haben, eine Darstellung ihrer Geschichte selbst ineiner die mäßigsten Ansprüche befriedigenden Form, zu entbehren. Keine anderestolbergische Hausgeschichte hatte das 18. und 19. Jahrhundert hervorgebracht,als jene vielbekannte, vor 166 Jahren erschienene „Stolbergische Kirchen- undStadt-Historie" des Diaconus Magister Johann Arnold Zeitfuchs und eine imJahre 1844 herausgekommene, die stolbergische Hausgeschichte mitbehandelndekleine Schrift Läncher's: diese eine kritiklose, Astes bunt durcheinander würfelndeArbeit, jene ein umfängliches, fleißiges und auch theilweise auf Quellenforschungberuhendes, aber für den Zeitraum der mittelalterlichen Geschichte fast unbrauch-bares, meistens nur die Begebenheiten des neuern Zeitalters, zumal bezüglichder Stadt und Grafschaft Stolberg darstellendes Werk.

In diesen und manchen andern Schriften, die der Vergangenheit desHauses Stolberg gelten, konnte der historische Sinn des Grafen Botho, seineheiße Liebe für die Geschichte seines Stammes nimmer Befriedigung finden; inihnen stieß er wieder und immer wieder auf Lücken, auf Irrthümer, auf Fehlerund Mängel jeder Art, wenn sein Forschungseifer den reichen Urkundenschatzseines Hauses entrollte, wenn er auf die gewaltige Fülle der Quellen blickte,