XIII —
Urner Lazaritenhauses Seedorf sechsmal besonders genannt; eben-so das Geschlecht Zer Gassen in der Gessler HeimatsdorfeWiggwil im Freiamte;*) ein Hans Hohlengasser ist 1584Schultheiss der Stadt Brugg, ein Kugelgäßler besitzt 1606 zuMännedorf am Zürchersee mehrere dem Kloster Muri zinsbareMannwerk Riedwiesen. Alle diese Beispiele beanspruchen keinenandern Werth, als dass sie eben unsre vorausgestellte Behauptungerklären und rechtfertigen, den Namen Gessler selbst erklären siekeineswegs. Denn dieser, um das Richtige in Kürze zu sagen,beruht auf der aus dem Namen Ge;o entwickelten KoseformGe5ilo. Schon Cassiodor IV, 14 gewährt den gothischen Manns-namen Gesila. Im Salzburger Verbrüderungsbuche, geschriebenvom 8. bis zum 13. Jahrhundert und herausgegeben von Karajan,kommt der männliche Namen Gejo zwölfmal, der weibliche Ge;aachtmal vor. Um das Jahr 1000 vergaben an den Altar vonFelix-Regula des Zürcher Grossmünsterstiftes Manihilt, nebst derTochter Engilmut und dem Sohne Ke3 0, 12 Denare, und zudemselben Zwecke eine Ke:;ila 4 Denare. (Rotulus in der Zeit-schrift für Schweiz. Recht, Band 17, S. 80 und 81, no. XII undXIII). Eine Frau Getelo, de Gunderichingen um Mitte des 12. Jahr-hunderts verzeichnet das Wirtembergische Urkundenbuch II, 405.Aus diesen Diminutivformen entspringt der in unsrer Urkundevom 17. Jan. 1250 erstgenannte Gessyliarius de Wicwile, welcherin der unmittelbar folgenden schon ein Geffilerius, und sechs Jahrenachher ein Gejler geworden ist.
Mit dieser Auseinandersetzung über das merkwürdige Schick-sal , welches dem Gesslergeschlechte in der Geschichte seineseignen Vaterlandes zu theil geworden ist, und mit Angabe dergeheimen Gründe, die zu einer so verkehrten Anschauung geführthaben, glaubten wir die nachfolgende Urkundensammlung einleitenzu sollen. Um so kürzer dürfen wir über unsre Arbeit selbst sein.Sie giebt ihre mühselig gesammelten Dokumente nicht als blossenRohstoff hin, sondern bearbeitet, erklärt und belebt durch sach-gemässe Anmerkungen, von denen die meisten selbst wieder Ur-kunden sind oder auf solchen beruhen. So hofft sie demGeschichtsforscher und dem Geschichte lesenden Publikum sichnützlich machen zu können. An Zuverlässigkeit und Correctheit
*) Des Klosters Muri ältestes Urbar, Handschrift Bi, Blatt 36b, im aar-gäuer Staatsarchiv.