Druckschrift 
Folge 6 (1887)
Entstehung
Seite
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3. Clmrlotte Sophie Christine, geb. 2. Juli 1757 zu Tilsit, P 1826 (?) zuKönigsberg in Pr. (vgl. 2. Folge 137), ging 1762 über Harzgerode nachHerzbcrg zu ihrem Vater, welcher sie darauf in Pension nach Berlin brachte,woselbst sie bis 1768 verblieb (4. Folge 279 u. 5. Folge 152). Von 1795an lebte sie in Königsberg in Pr. — Näheres 5. Folge 348 f.

4. Ami Friedrich August Frhr. v. E., geb. 2. Okt. 1763 zu Tilsit, P 29. Mai1812 zu Groß-Leinungen, k. pr. Kriegs-, Forst- und Domainen-Rath, venu.14. Sept. 1800 mit Friederike Julie, des kursächs. Obersten v. SteindelTochter (1. Folge 44 u. 3. Folge 80—83).

Wenn man die vorstehend dargelegten und in Folgendem noch weiter be-leuchteten trostlosen Verhältnisse bedenkt und dann sich das Bild des Mannesvor Augen führt, der aus solchen Verhältnissen zur Ehre der Familie, zur Ehredes Vaterlandes, zur Ehre der Menschheit emporwuchs: dann muß man KarlGutzkow zustimmen, wenn dieser in seinem „Bauin der Erkenntniß", 2. Auflage(1869) S. 141 ff., sich also vernehmen läßt:

„Wenn Shakcspeare's Polonius seinem nach Paris reisenden Sohn Lasrteseine Aeiho beherzigenswertster Lebcnsregcln mit auf den Weg giebt, so möchte manglauben, er hätte die von Simon in seiner Geschichte der Dynasten und Grafen v. Erbachmitgetheilte Unterweisung des Grafen Eberhard v. Erbach an seinen Sohn Georgaus dem t6. Jahrhundert vor Augen gehabt.

Zwei Jahrhundertc später übersetzte ein alter preußischer Dragoner-Gbcrst,der unter Friedrich II. gefochten hatte, Freiherr Johann Karl Friedrich v. Ebcr-stcin, diese Lehren an seinen auf die Leipziger Hochschule gehenden Sohn Wilhelm indie Anschauungen eines durch die Nachahmung der Pariser Sitten doch noch nicht ganzum seinen Acrn gebrachten Zeitalters."

In der That! dcr Oberst Karl v. Ebcrsteiu kann hinsichtlich seiner ganzenLebensführung, seines nicht nur streng pflichtmäßigcn, sondern heldenhaften Ver-haltens im Militairdienste und im Kriege, wie auch hinsichtlich seiner sittliche»und religiösen Grundsätze und Lcbcnsanschauungcn als Charakterfigur des frideri-eianischen Zeitalters, zugleich aber überhaupt als leuchtendes Vorbild eines wahrenEhrenmannes und besonders jungen Adeligen zur Nachcifcrung aufgestellt werden.

Nach seines Vaters Tode wurde Karl von seinem Oheim und als wahrerVater an ihm handelnden Vormunde, dem Grafen Ernst Friedrich v. Eber-stein, mit seinem bisherigen Informator Spröde und zugleich mit zwei Schwestern(Charlotte und Amalie) zunächst ans das Gut Eichen, leider aber in dieHände dcr mütterlichen Großmutter, gebracht, während die jüngste rechte Schwester(Christiane) von der Stiefmutter aufgenommen wurde, welche letztere sich inder Folge wieder mit dem kurmainz. Obcrstlicut. Frhrn. v. Guttenbcrg vcr-heirathete.

Den Charakter der alten Frau v. Büring und das Gebahren derselbenhatte der Graf v. Ebcrstcin bald genug Gelegenheit näher kennen zu lernen undfand sich daher bewogen, die ältere Nichte (Charlotte) nach Mainz in einKloster in Pension zu geben. Wegen des kleinen Karl ließ er die Frauv. Büring bedeuten, daß „sie sich um den Sohn gar nicht zu kümmern habe,"und schrieb ihr dann selbst: „wegen der kleinen Christel brauchen Sie sichgar keine Mühe noch Sorge zu geben, dann ich schon Verabredung und Anstaltgcmachet, daß sie also gleich nach dem Oraniensteinischen Begräbnis mit IhrerHoheit sel, Caminircrin nach Sachsen gehen und von meinem Bruder (AntonGottlob) abgeholt werden wird. Und wegen des kleinen Karl's habe ich auchAnstalt gemacht, wie er nach Sachsen kommen und zu Stolbcrg in die Schule