190
ihres Gatten zu danken habe. Doch sollte die Bekümmerniß umseine Versorgung nach ihrem Tode vergeblich sein. Er starb vorihr, und sie widmete ihm nachfolgende Grabschrift:
„ Hier ruhen die Gebeine eines treuen und helfenden Arztesvr. Johann Siegfried Kahler, Königl. Preuß. Hofrath undseit dem Jahre 1775 Stadt-Physikus allhier. Er wardgebohren zu Triebe! im Jahr 1743 den 17. Jan., verhey-rathete sich im Jahr 1775 den 15. Aug. mit ChristianeDorothee Wendt, wirkte als rechtlicher Arzt 52 Jahr, starbim Vertrauen auf Gott und seinen Erlöser, im Jahr l 820,den 1<1 Mai Abends 7 Uhr im 78sten Jahr seines Altersniit dem ruhigen Bewußtseyn, redlich seine Pflicht gethanzu haben. Ihn beweinen seine tiefgebeugte Gatttin Kinderund Enkel.
Selig sind die in dem Herrn sterben,
Vor Gottes Thron, zu seinem SohnBegleiten ihre Werke sie."
Den ihrem Heimgegangenen Gatten ertheilten Rath befolgtesie nun selbst, indem sie mit ihrer Christel von Sommerfeld nachZullichau übersiedelte und dort ganz in der Nähe ihres SohnesMoritz eine kleine freundliche Wohnung bezog. Von hier ausblieb sie in fleißigem Briefwechsel mit ihren Söhnen und Schwie-gertöchtern; selbst ihre älteren Enkelkinder erfreute sie bisweilendurch ihre gütigen Zuschriften. Ganz besonders wurde ihr liebe-volles Herz von den Schicksalen ihres genannten Sohnes inAnspruch genommen. Schon im März 1815 schreibt sie davon,daß ihn die Gicht im Knie peinige; das Leiden nahm ab und zuohne den verschiedenen ärztlichen Behandlungen zu weichen. Alser deshalb 1822 mit seiner Gattin ein Bad besuchte, übernahmsie die Aufsicht über die zurückgebliebeneil Enkel Hermann, Leo-pold und Agnes, von denen sie in einem noch vorhandenenBriefe nach ihrer freundlichen Weise berichtete. Das Knie ver-schlimmerte sich aber so sehr, daß der arme Mann dauernd an dasBett gefesselt wurde und endlich den Entschluß faßte sich das Beinoberhalb des Knies abnehmen zu lassen, welcher am 4. August 1823