Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
408
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dem letzteren vier Becher mit vergiftetem Weine vorgesetzt habensoll. Die Beschuldigung ist unerwiesen nich ist auch weder nachden? Charakter des Bischofs noch nach den damaligen Umstandenirgend glaublich. Der Herzog benutzte aber diesen Vorwand alleweiteren Verhandlungen und Angelegenheiten mit dein Bischofabzubrechen. Georg hingegen wollte ai? dem Vertrage festhaltenund wendete sich än den Herzog Ernst, der auch nicht umhinkonnte, den Urthcilssprnch des Erzbischofs zu bestätigen und Her-zog Friedrich aufs Neue zur Einhaltung desselben zu bewegen.Um die noch übrigen Bestimmungen des Vertrags in Ausfuh-rung zu bringen, lud der Herzog den Bischof Georg nach Bötzenein. Derselbe kau? auch und alles schien ein günstiges Ende zuversprechen, als Heinrich von Rotenburg plötzlich Störung brachte.Es handelte sich nm das alte Recht der Grafen von Tirol, daßihnen nach Abgang eines Bischofs bis zur Wahl eines anderenalle Hanptleutc, Burggrafen und Pfleger des Hochstifts gewärtigsein sollten. Da trat Heinrich von Rotenburg hervor und erklärte,wenn der Bischof auf diese Bedingung eingehe, »volle er nichtsmehr mit ihm zu thnn haben und er trete förmlich voi? ihm ab;es sei nur darauf abgesehen, daß die Bischöfe künftig nach Rathund Wohlgefallen der Herrschaft und der Lehnsleute gewähltwürden; dies sei nie erhört worden, dies sei gegen alles Recht,gegen alle Würde eines Bischofs und überaus schmählich füreinen Bischof von Trient >). In der That mußte durch eine solcheStellung des Herzogs die jedesmalige Wahl des Bischofs inseinen Händen liegen, womit der letzte Schimmer der Unabhän-gigkeit des Bisthums aufhörte; vom bischöflichen Standpunkteans war entschieden Wahrheit in dein, was Heinrich von Ro-tenburg sagte. Dieser hatte aber wohl noch ein besonderes per-sönliches Interesse daran, den Bischof wohl in sein Stift zurück-kehren, aber nicht mit dein Herzog völlig ausgesöhnt zu sehen.Durch seinen Besitz der reichste und mächtigste des Tiroler Adels,

h Brandis, a. a. O. 50.