— 372 —
und Graf Hermann von Cilli über sie sprechen werden; sie entsagenauch aller Vergeltung „weder mit Gericht noch ohne Gericht" für„alle die Sachen, welche sich zwischen ihnen (d. h. dem Herzog undden Liechtensteinern) bis auf den heutigen Tag zugetragen haben".
Man sieht, es ist mit keinem Worte irgend ein Verbrechenoder Vergehen angedeutet, dessen die Liechtensteiner sich schuldigbekennen oder zu bekennen haben; einzig um der Ungnade desHerzogs willen und der Dinge, die sonst zwischen ihnen verlaufensind sd. i. ihre Gefangenschaft und die Einziehung ihrer Güter),müssen sie sich einem Ausspruch unterwerfen, nicht einem Urtheildes Gerichts nach vorausgegangenem gerichtlichen Verfahren, njchteinem Schiedsspruch, wie es damals oft in ähnlichem Falle stattfand und wobei die Schiedsrichter von beiden Parteien ernanntwurden, sondern dem Ausspruch dreier Männer, von denen einer,der Herzog, ihr Gegner und Ankläger war, der andere, Friedrichvon Nürnberg, dessen eng verbundener Schwager, der dritte, GrafHermann von Cilli, ein Mann, mit dem Johann von Liechtensteinnicht lange vorher noch in offener Fehde gestanden war. Es waralso in keiner Weise ein Verfahren weder nach Gewohnheit nochnach Recht und Gesetz, sondern ein Machtsprnch ihrer Feinde, inderen unbedingter Gewalt sie sich befanden und die sie vernichtenwollten. Eine andere Auffassung läßt das Thatsächliche und Urkund-liche, in dessen Kenntniß und Besitz wir uns befinden, schwerlich zu.
Das Urtheil lautete auch darnach. Der Machtsprnch wurdegefällt an demselben Tage, an dem die Liechtensteiner sich ihmzu unterwerfen versprochen hatten: Wir Albrecht von GottcSGnaden Herzog zu Oesterreich. . . und wir Friedrich auch vondenselben Gnaden Burggraf zu Nürnberg, und wir Graf Her-mann von Cilli bekennen und thun kund: Da die edlen Hansvon Liechtenstein von Nicolsburg, Hertneid von Liechtenstein seinBruder und Mathcs von Liechtenstein ihr Vetter für sich selber,für Oefferlcin, Hansen und Heinrich von Liechtenstein auch ihreVettern, und für Henslein und Hcrtlcin Gebrüder und JungfrauKathrcin Geschwister (oben hieß sie Margaretha), des vbgenannten