Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
285
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ins Auge gestochen haben. Ueber den Gefallenen erhob sich neuerKampf, aber Heinrich von Liechtenstein, der nun den Oberbefehlübernahm, errang endlich nach hartem Kampfe einen vollständigenSieg. Die Ungarn flohen, aber der Sieg konnte nicht verfolgtwerden, da die Oesterreicher, klagend über den todten Herrn, zuseiner Leiche nach Neustadt zurückkehrten. So lautet die gewöhn-liche Erzählung. Etwas anderes stellt Ulrich von Liechtenstein inseinem Frauendienst die Begebenheit dar. Nach ihm hatte eineSchaar Reußen den Streit eröffnet; ihnen sei Heinrich vonLiechtenstein,der Muthes reiche," die Fahne in der Hand miteiner Schaar entgegengezogen; zwischen beiden Schaaren sei dannder Herzog erschienen und habe die Seinen mit ermunterndenWorten angeredet, wobei er übersehen, wie von hinten die Reußen-schaar heransprengte, die ihn niederwarf und tödtete. Darnacherst entbrannte unter Anführung Heinrichs, desbiderben Mannes,der sich geberdete ungleich einem Zagen" die Hauptschlacht; vieleLeute wurden an der Seite des Liechtensteiners erschlagen, biserst die Reußen, dann auch die Ungarn flohen, und Heinricheinen vollständigen Sieg errang >).

Die Männlichkeit und Tapferkeit Heinrichs von Liechtenstein,welcher sein Namensvcrwandtcr, der Dichter Ulrich, an dieserStelle ein so schönes Denkmal setzt, rühmt derselbe auch nochein anderesmal, als beide auf des Sängers oben erzählter Artus-fahrt bei Neustadt schon einige Jahre früher (1240) zusammentrafen. Auch damals befand sich Heinrich bei dem Herzog undeilte dem heranrückenden König Artus mit zwölf seiner Reiterdienstwillig entgegen und stand ihm dann im Turnier zur Seite 2).Herr Heinrich von Liechtenstein, sagt der Dichter, hieß mit Rechtder mannliche und war des Leibes gar ein Degen", aber eineTugend sei ihm doch abgegangen, ohne welchen Mangel sein Ruhmin allen Landen verbreitet gewesen sein würde; diese Tugend war

') Ulrich von Liechtenstein Frauendienst 525 ff.2) Frauendienst, 470, 497.